Claude Security scannt ab sofort mit Mythos 5

Anthropics stärkstes Cyber-Modell prüft jetzt Code in Claude Security. Direkten Zugriff auf das Modell bekommen Kunden dabei nicht.

Bildschirm in einem abgedunkelten Raum zeigt Sicherheitsdaten und Quellcode

Anthropic hat am 21. August 2026 angekündigt, dass die Scans in Claude Security auf Claude Mythos 5 laufen. Das Werkzeug bleibt in der öffentlichen Beta und ist weiterhin Kunden mit Claude Enterprise vorbehalten. Bemerkenswert ist daran weniger der Modellwechsel als die Art, wie Anthropic das Modell ausliefert: Mythos 5 ist regulär nicht frei zugänglich.

Was Claude Security tut

Claude Security ist Anthropics eigener Schwachstellen-Scanner, hervorgegangen aus Claude Code Security. Er wurde am 30. April 2026 als öffentliche Beta gestartet und läuft ohne eigene Anbindung direkt in der Weboberfläche unter claude.ai/security. Administratoren schalten ihn in der Verwaltungskonsole frei.

Beim Scan liest das Modell den Quellcode eines ausgewählten Repositorys, verfolgt Datenflüsse und betrachtet, wie Komponenten über Dateien und Module hinweg zusammenspielen. Die Befunde kommen kategorisiert nach CWE, also der Common Weakness Enumeration, jeweils mit Schweregrad, einer Einschätzung zur Verlässlichkeit des Fundes und Schritten zur Reproduktion. Dazu gibt es Vorschläge für Korrekturen, die ein Mensch prüfen und in Claude Code weiterbearbeiten kann.

Praktisch dazu gehören geplante Scans in festen Abständen, Webhooks etwa nach Slack oder Jira, Export als CSV oder Markdown sowie die Möglichkeit, Befunde mit dokumentierter Begründung zu verwerfen. Zugang für Claude Team und Max hat Anthropic angekündigt, ohne Datum zu nennen.

Ein Modell, das man sonst nicht bekommt

Mythos ist bei Anthropic die Stufe über Opus. Vorgestellt wurde Mythos 5 am 9. Juni 2026 zusammen mit Claude Fable 5. Beide teilen sich dieselbe Grundlage, unterscheiden sich aber in den Schutzmechanismen: Fable 5 ist allgemein verfügbar und leitet Anfragen aus den Bereichen Cybersicherheit, Biologie und Chemie über Klassifizierer an ein schwächeres Modell um. Bei Mythos 5 sind diese Sperren in Teilen aufgehoben.

Frei zu kaufen ist Mythos 5 deshalb nicht. Der Zugang läuft über Project Glasswing, ein im April 2026 gestartetes Programm mit Partnern in der US-Regierung, das sich an Betreiber kritischer Infrastruktur mit strengen Sicherheitsauflagen richtet. Für den Rest bleibt es bei Fable 5.

Genau hier liegt der Kern der Ankündigung. Anthropic begründet den Schritt damit, dass das Risiko vor allem beim direkten Modellzugriff entstehe. In Claude Security bekommen Kunden das Modell nicht in die Hand, sondern nur dessen Ergebnisse: einen Befund, eine Warnung, einen Korrekturvorschlag. Über dieses eingeschränkte Ausgabefenster lässt sich ein Modell mit gelockerten Sperren ausliefern, ohne es als allgemeines Werkzeug freizugeben. Dasselbe Muster soll demnächst für Produkte von Sicherheitspartnern gelten, in die Mythos 5 eingebettet wird.

Was Anthropic daneben ankündigt

Zwei weitere Punkte stehen in derselben Mitteilung. Das Cyber Verification Program, über das geprüfte Verteidiger Aufgaben mit doppeltem Verwendungszweck auf Opus und Sonnet mit weniger Sperren ausführen können, soll in den kommenden Wochen erweitert werden; Zugang zu Modellen der Mythos-Klasse soll später folgen.

Außerdem startet ein Defender Advantage Fund mit 35 Millionen US-Dollar in Form von Claude-Guthaben. Er zielt auf das Schließen von Lücken in Open-Source-Projekten, auf automatisiertes Scannen und Patchen sowie auf neue Sicherheitsansätze. Bislang hat Anthropic nach eigenen Angaben vier Millionen US-Dollar direkt an Organisationen im Bereich Open-Source-Sicherheit gespendet.

Einordnung

Für Unternehmen ohne Enterprise-Vertrag ändert sich zunächst nichts. Wer den Scanner nutzt, sollte im Blick behalten, dass die Befunde weiterhin menschlich geprüft werden müssen: Anthropic liefert Verlässlichkeitsangaben pro Fund, was voraussetzt, dass auch Fehltreffer vorkommen. Wie viel der Modellwechsel in der Praxis an Trefferquote bringt, lässt sich anhand der Ankündigung nicht beziffern, da Anthropic keine Vergleichszahlen zum bisher eingesetzten Opus 4.7 nennt.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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