Fünf-Stunden-Limit kehrt zurück: OpenAI drosselt Codex und ChatGPT Work im Plus-Abo

OpenAI schaltet für Plus-Konten das Fünf-Stunden-Fenster in Codex und ChatGPT Work wieder ein. Pro-Abos bleiben vorerst ausgenommen.

Ein aufgeklappter Laptop steht auf einem Holztisch, daneben eine Sanduhr, deren Sand zum größten Teil durchgelaufen ist

OpenAI hat das Fünf-Stunden-Limit für Plus-Konten wieder aktiviert. Thibault Sottiaux, bei OpenAI als Engineering Lead für Codex und ChatGPT zuständig, kündigte die Rückkehr am 24. August 2026 auf X an; wirksam wurde sie am Folgetag. Einzelne deutschsprachige Berichte nennen den 26. August als Stichtag.

Betroffen ist nicht ChatGPT als Ganzes, sondern zwei Produkte: Codex, der Programmier-Assistent, und ChatGPT Work. Wer dort mit einem Plus-Abo arbeitet, stößt seither wieder an zwei Grenzen gleichzeitig. Die eine läuft über ein gleitendes Fenster von fünf Stunden, die andere über die ganze Woche. Ist eine davon erreicht, bleibt nur, auf das Zurücksetzen zu warten oder zusätzliche Credits zu kaufen.

Für die Pro-Abos zu 100 und 200 Dollar bleibt das Fünf-Stunden-Limit nach Angaben von Sottiaux vorerst abgeschaltet, ausdrücklich für die kommenden Monate.

Warum OpenAI das kurze Fenster zurückholt

Das Limit war im Juli 2026 ausgesetzt worden, nach Darstellung von heise online als vorübergehende Reaktion auf einen Sicherheitsvorfall. Seither galt für Plus-Konten nur noch das Wochenkontingent.

Die Begründung für die Rückkehr ist eine Auslastungsfrage. Sottiaux schrieb dazu:

the 5h limit allows us to smoothen the load on our compute, allowing to keep the plan generous in terms of weekly usage

Das kurze Fenster verteilt die Last also gleichmäßiger über den Tag, und im Gegenzug kann OpenAI das Wochenkontingent großzügiger bemessen. Ein zweites Argument nennt das Unternehmen laut heise mit Blick auf die eigene Kundschaft: Viele Plus-Abonnenten seien neue oder gelegentliche Nutzer, die ihr Wochenbudget sonst unbemerkt in einer einzigen langen Sitzung aufbrauchen.

Beide Erklärungen laufen auf dasselbe hinaus. Rechenkapazität für Inferenz ist der Kostenblock, der bleibt, wenn ein Modell längst trainiert ist, und ein Pauschaltarif verteilt diese Kosten nicht von selbst.

Dieselbe Bewegung, andere Richtung

Drei Wochen zuvor hatte OpenAI das Nachrichtenlimit für Gratis- und Go-Konten aufgehoben. Wir haben das damals an dieser Stelle beschrieben. Jetzt wird an anderer Stelle wieder gedeckelt.

Das ist kein Widerspruch, sondern dieselbe Steuerung mit umgekehrtem Vorzeichen. Gelockert wird dort, wo Reichweite zählt und die Last pro Anfrage gering ist: einfache Textchats. Gedrosselt wird dort, wo eine einzelne Sitzung viel Rechenzeit bindet, nämlich bei Agenten, die Code schreiben und über längere Zeit durchlaufen. Wer Codex ernsthaft nutzt, erzeugt in fünf Stunden ein Vielfaches der Last eines Gelegenheitsnutzers.

Für Unternehmen ist weniger die einzelne Änderung interessant als das Muster dahinter: Nutzungsgrenzen in Pauschaltarifen sind keine Vertragsgröße, sondern ein Regler, den der Anbieter bewegt, wenn es seine Auslastung verlangt.

Sitzplatz oder Verbrauch: wann sich der Wechsel rechnet

Ein Abo pro Person ist eine Wette darauf, dass die Nutzung ungefähr gleich bleibt. Das gilt für die eigene Seite, aber eben auch für die des Anbieters. Die Alternative ist die Abrechnung über die Programmierschnittstelle: Dort wird nach verbrauchten Token bezahlt, es gibt keine Zeitfenster, und die Kosten sind vorher kalkulierbar.

Die Rechnung fällt je nach Nutzungsprofil unterschiedlich aus. Grob gilt: Bei gleichmäßiger, moderater Nutzung über viele Mitarbeiter hinweg ist das Sitzplatz-Abo günstiger. Sobald einzelne Personen oder automatisierte Abläufe dauerhaft am Limit arbeiten, kippt das Verhältnis, und zwar unabhängig vom Preis, weil die Arbeit dann schlicht stehen bleibt.

Der entscheidende Punkt ist nicht der Stückpreis, sondern die Frage, ob ein Ablauf ausfallen darf. Ein Entwickler, der eine Stunde wartet, ist ärgerlich. Ein nächtlicher Automatismus, der wegen eines Zeitfensters nicht durchläuft, fällt am nächsten Morgen niemandem auf.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Prüfen Sie, welche Abläufe an einem Pauschaltarif hängen. Alles, was automatisiert läuft und nicht warten kann, gehört auf eine verbrauchsbasierte Abrechnung. Ein Abo ist für Menschen gedacht, die zwischendurch etwas anderes tun.
  • Behandeln Sie Nutzungsgrenzen als veränderlich. Sie stehen selten im Vertrag und werden per Ankündigung angepasst, in diesem Fall über einen Beitrag auf X. Wer darauf aufbaut, sollte das im Risikoblatt stehen haben.
  • Messen Sie, bevor Sie umstellen. Wie viele Personen laufen tatsächlich ins Limit, und wie oft? Ohne diese Zahl ist jede Diskussion über Sitzplatz gegen Verbrauch eine Meinungsfrage.
  • Planen Sie einen Ausweichweg ein. Zweitanbieter, lokales Modell für einfache Aufgaben oder schlicht ein Guthaben für Zusatz-Credits: Entscheidend ist, dass die Entscheidung nicht erst getroffen wird, wenn die Arbeit steht.
Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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