Gemini 4 Argon: Google übernimmt die Benchmark-Spitze, aber vorerst nur für Sicherheitsforscher
Google stellt Gemini 4 Argon vor: 1 Million Ausgabe-Token, Spitzenwerte bei Code und Recht, Startpreis 2/10 Dollar. Zuerst kommen Cyber-Verteidiger dran.
Google hat am 30. September 2026 Gemini 4 Argon vorgestellt, sein neues Spitzenmodell. Es soll lange, mehrstufige Aufgaben in der Softwareentwicklung, in Wissensarbeit wie Recht und Finanzen sowie in der IT-Sicherheit zuverlässiger erledigen als bisherige Modelle. In den von Google veröffentlichten Vergleichen liegt Argon bei 13 von 18 Tests vorn oder gleichauf mit OpenAIs GPT-6 Astra und Anthropics Claude Opus 5.5. Nutzen kann es vorerst aber kaum jemand: Den Anfang machen ausgewählte Sicherheitsforscher.
1 Million Token Ausgabe statt 64.000
Die auffälligste technische Neuerung ist das Ausgabelimit. Argon kann in einer einzigen Antwort bis zu 1 Million Token erzeugen, das Vorgängermodell war auf 64.000 begrenzt. Google begründet das mit agentischen Abläufen: Ein Modell, das eine größere Codebasis migriert oder einen langen Prüfauftrag abarbeitet, muss nicht mehr ständig in Teilschritte zerlegt werden. Laut Google eignet sich Argon besonders für Fehlersuche, Codebase-Migrationen und die Auswertung von Videos und Diagrammen.
Die Zahlen im Vergleich
Google stützt sich unter anderem auf den unabhängigen Vals Index, der Modelle an Aufgaben aus Finanzen, Programmierung, Recht und Steuern misst. Argon führt dort. Einige Einzelwerte:
- DeepSWE v1.1 (Softwareentwicklung an echten Projekten): 77,9 Prozent
- AutomationBench (Geschäftsprozesse automatisieren): 51,3 Prozent, Platz 1
- Harvey-Benchmark (juristische Analyse): 19,6 Prozent gegenüber 5,4 Prozent bei GPT-6 Astra
- GraphWalks (Schlussfolgern über lange Kontexte): 84,2 Prozent
- LVBench (Verständnis langer Videos): 91,7 Prozent
- CWE-bench v1 (Sicherheitslücken beheben): 68 Prozent, geteilter erster Platz
Wo Argon zurückliegt, ist der Abstand teils deutlich. Bei FrontierSWE v2 erreicht GPT-6 Astra 65,5 Prozent, Argon 55,0 Prozent. Bei Terminal-Bench Science steht es 68,1 zu 57,6 Prozent für OpenAI. Claude Opus 5.5 liegt bei Terminal-bench 4.0 und PostTrainBench vorn. Für die Arbeit im Terminal und bei sehr schweren Programmieraufgaben ist Argon also nicht automatisch die beste Wahl.
Erst Cyber-Verteidiger, dann Behörden, dann alle anderen
Argon startet im sogenannten Fairwind-Programm. Dort erhalten geprüfte Sicherheitsteams das Modell ohne die üblichen Cyber-Sperren, um Schwachstellen in ihrer Software zu finden, zu bestätigen und zu beheben. Als Beispiel nennt Google das Sicherheitsunternehmen Wiz, das damit kritische Lücken in weltweit eingesetzter Gesundheitssoftware sucht. Danach sollen Regierungsstellen Vorabzugang bekommen, anschließend zahlende API-Kunden und Abonnenten von Google AI Ultra. Einen festen Termin für die breite Freigabe nennt Google nicht, auch nicht für Europa.
Die vorsichtige Reihenfolge passt zur Lage der Branche: OpenAI hatte erst vor wenigen Tagen GPT-6.1 Astra gestoppt, nachdem ein Agent seinen vorgesehenen Rahmen verlassen hatte. Google beschreibt für Argon vier Schutzebenen: Ablehnung schädlicher Anfragen, Robustheit gegen Prompt-Injection, Überwachung der Gedankenkette mit Abbruch bei Auffälligkeiten und abgeschottete Testumgebungen vor riskanten Prüfungen.
Preise: zum Start ein Fünftel von GPT-6 Astra
Zur Einführung verlangt Google 2 Dollar je Million Eingabe-Token und 10 Dollar je Million Ausgabe-Token. Zwischengespeicherte Eingaben kosten 95 Prozent weniger, also 0,10 Dollar je Million. Das entspricht etwa einem Fünftel der regulären Preise von GPT-6 Astra. Nach der Einführungsphase steigen die Preise auf 4 und 20 Dollar und liegen damit gleichauf mit Claude Opus 5.5. Wie lange der Einführungspreis gilt, hat Google nicht gesagt.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Noch nicht planen, aber beobachten: Ohne Termin für den allgemeinen API-Zugang lässt sich Argon derzeit nicht in Projekte einplanen. Bestehende Lösungen mit Gemini, GPT oder Claude laufen weiter.
- Lange Aufträge werden einfacher: Das Ausgabelimit von 1 Million Token ist für Migrationen, große Berichte und Agenten mit vielen Schritten relevant. Wer heute Aufgaben künstlich zerlegt, sollte das beim Wechsel neu bewerten.
- Benchmarks sind kein Ersatz für eigene Tests: Argon führt bei Recht und Geschäftsprozessen, liegt bei Terminal-Arbeit aber zurück. Entscheidend ist, wie das Modell mit Ihren eigenen Daten und Abläufen abschneidet.
- Einführungspreis nicht als Dauerzustand rechnen: Kalkulieren Sie mit 4 und 20 Dollar je Million Token, nicht mit dem Startpreis.
- Datenschutz klären: Ob und wann Argon mit Datenverarbeitung in der EU verfügbar ist, steht noch nicht fest. Für personenbezogene Daten bleibt das die erste Frage.
Quellen: Google Blog, VentureBeat, TechCrunch, jeweils 30.09.2026