Google baut Suche in Europa um und rechnet mit schlechteren Ergebnissen

Seit dem 8. September gelten in der EU neue Suchergebnisse: Vergleichsportale nach oben, Echtzeitpreise raus. Was das für die eigene Sichtbarkeit heißt.

Hände tippen auf einer Laptoptastatur, auf dem Bildschirm eine Unterkunftssuche mit Kartenansicht

Google hat am 8. September 2026 begonnen, die Suchergebnisse in der Europäischen Union umzustellen. Der Konzern setzt damit Auflagen aus dem Digital Markets Act um und erklärt zugleich, die Änderung sei die größte Verschlechterung der Ergebnisqualität in 29 Jahren Suche. Nutzer außerhalb der EU sind nicht betroffen.

Was sich ändert, trifft vor allem Branchen, in denen Vergleichsportale und Anbieter um dieselben Suchanfragen konkurrieren: Hotels, Ferienwohnungen, Flüge, Restaurants und ähnliche Angebote.

Was sich in den Ergebnissen ändert

Nach der Umstellung steht bei einer entsprechenden Suchanfrage eine spezialisierte Suchmaschine hervorgehoben oben auf der Seite. Darunter folgen zwei weitere Vergleichsdienste mit weniger Details. Erst darunter erscheint das bekannte Karussell mit Hotels, Fluggesellschaften oder Restaurants, und zwar ohne Angaben wie Echtzeitpreise, die dort bisher direkt sichtbar waren.

Damit rücken Portale wie Booking.com oder Expedia nach oben, während einzelne Anbieter mit eigener Website weiter unten landen. Google gibt an, die neue Darstellung mit Millionen Nutzern in Europa getestet zu haben; die Rückmeldungen seien überwiegend ablehnend gewesen, weil Suchende ihre Anfrage häufiger neu formulieren müssten.

Diese Änderungen verschlechtern das Nutzungserlebnis für Europäer, weil sie Online-Vermittler auf Kosten lokaler Anbieter stärken.

So fasst Nick Fox, bei Google Senior Vice President für Knowledge and Information, die Umstellung zusammen. Aus Sicht des Konzerns entfallen dabei Funktionen, auf die sich Nutzer täglich verlassen.

Warum Google umbaut

Am 23. Juli 2026 hatte die Europäische Kommission gegen Google ein Bußgeld von 890 Millionen Euro wegen Verstößen gegen den Digital Markets Act verhängt. Davon entfielen 460 Millionen Euro darauf, dass Google in der Suche eigene Buchungs- und Vergleichsdienste bevorzugt hat; die übrigen 430 Millionen betrafen Regeln im Play Store. Google bekam 60 Tage Zeit, die beanstandete Praxis abzustellen. Bei fortgesetztem Verstoß kann die Kommission zusätzlich Zwangsgelder festsetzen.

Die jetzt ausgerollte Darstellung ist Googles Antwort auf diese Frist. Sie ist damit kein Produktupdate, sondern eine Compliance-Maßnahme, über deren Ausgestaltung Kommission und Konzern seit Monaten streiten.

Hand betätigt eine Rezeptionsklingel auf einem Hotelempfangstresen

Die 30-Prozent-Zahl und was sie belegt

Google verweist darauf, dass frühere Anpassungen an den Digital Markets Act den kostenlosen, direkten Buchungsverkehr zu europäischen Anbietern um 30 Prozent haben einbrechen lassen, und erwartet für die neue Darstellung einen ähnlichen Effekt.

Bei dieser Zahl lohnt ein zweiter Blick. Sie stammt vom betroffenen Unternehmen selbst, das im laufenden Verfahren Partei ist und ein Interesse daran hat, die Auflagen als schädlich darzustellen. Eine unabhängige Überprüfung der Messung liegt nicht vor. Die Kommission wiederum argumentiert, dass Vergleichsportale überhaupt erst eine faire Chance auf Sichtbarkeit bekommen, wenn Google die eigenen Dienste nicht mehr vorn platziert.

Unstrittig ist die Richtung: Wer bisher über die Google-Suche direkt gefunden wurde, konkurriert künftig mit Portalen, die weiter oben stehen. Und Portale vermitteln nicht kostenlos, sondern gegen Provision.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Prüfen Sie zuerst, ob Sie überhaupt betroffen sind. Die Umstellung greift bei Suchanfragen mit Vergleichscharakter, vor allem in Reise, Gastronomie und Freizeit. Klassische B2B-Anfragen nach Dienstleistungen oder Produkten sind bisher nicht Teil der beschriebenen Änderung.
  • Sehen Sie sich in Ihrer Statistik an, welcher Anteil Ihrer Anfragen wirklich aus der organischen Google-Suche kommt und welcher über Portale. Ein Vorher-Nachher-Vergleich ab dieser Woche zeigt in einigen Wochen, ob sich etwas verschoben hat.
  • Rechnen Sie den Unterschied durch. Eine Buchung über ein Portal kostet je nach Anbieter einen zweistelligen Prozentsatz des Umsatzes. Wenn ein Teil der Direktbuchungen dorthin abwandert, ist das keine Sichtbarkeitsfrage, sondern eine Margenfrage.
  • Stärken Sie Kanäle, die nicht von einer Ergebnisseite abhängen: Bestandskunden, Newsletter, Wiederbuchungen, das eigene Google-Unternehmensprofil, Empfehlungen. Diese Wege sind unabhängig davon, wie Google seine Seite gerade sortieren muss.
  • Sorgen Sie dafür, dass eine Anfrage auf der eigenen Website ohne Umwege möglich ist. Wer über ein Portal gefunden wird, bucht beim nächsten Mal oft direkt, wenn der direkte Weg sichtbar einfacher oder günstiger ist.

Für die Bewertung der eigenen Zahlen kommt hinzu, dass sich die Sichtbarkeit derzeit an zwei Stellen gleichzeitig verschiebt: durch die regulatorisch erzwungene Umstellung der Ergebnisseite und durch KI-Antworten, die Fragen direkt in der Suche beantworten. Wer beides in einem Topf misst, wird die Ursache eines Rückgangs kaum auseinanderhalten können.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

Kostenlose Beratung
← Zurück zu den News