Nvidia will bis zu 10 Milliarden Dollar in Anthropics Börsengang stecken

Anthropic strebt 100 Milliarden Dollar bei rund 2 Billionen Bewertung an. Nvidia verhandelt als Ankerinvestor und liefert zugleich die Chips.

Bildschirme mit Börsenkursen und Charts in einem abgedunkelten Handelsraum

Nvidia verhandelt laut einem Reuters-Bericht vom 11. September über eine Beteiligung von bis zu zehn Milliarden Dollar an Anthropics geplantem Börsengang, und zwar als Ankerinvestor. Anthropic will bei der Emission bis zu 100 Milliarden Dollar einsammeln, bei einer Bewertung von rund zwei Billionen Dollar. Die Gespräche gelten als vorläufig und können sich noch ändern.

Fällt die Emission so aus, wäre es der größte Börsengang der Geschichte. Den aktuellen Rekord hält SpaceX, das im Juni 2026 mit 85,7 Milliarden Dollar an die Nasdaq ging. Als Zeitfenster wird ein Preisstellungstermin vor den US-Zwischenwahlen im November gehandelt.

Die Zahlen hinter der Bewertung

Anthropics Wachstum stützt die Größenordnung: Der annualisierte Umsatz stieg von rund neun Milliarden Dollar Ende 2025 auf über 65 Milliarden Dollar im Juli 2026. Für 2028 liegen Projektionen bei etwa 190 bis 200 Milliarden Dollar.

Diesem Wachstum stehen Verpflichtungen gegenüber, die Anthropic bereits eingegangen ist. Allein die namentlich bekannten Rechenleistungs-Verträge summieren sich auf mindestens 80 Milliarden Dollar: ein Abkommen über 35 Milliarden Dollar rund um den Cloud-Anbieter Lambda sowie ein über sechs Jahre laufender Vertrag über 45 Milliarden Dollar mit dem Londoner Anbieter Nscale.

Nvidia sitzt an mehreren Stellen des Tisches

Bemerkenswert ist weniger die Summe als die Konstruktion. Bei dem 35-Milliarden-Deal ist Nvidia gleich dreifach beteiligt: Das Unternehmen liefert die Chips, ist am Cloud-Anbieter Lambda beteiligt und hält den Mietvertrag auf dem zugrunde liegenden Rechenzentrum, einem 700-Megawatt-Campus in Nueces County, Texas. Anthropic nimmt zunächst ein Gigawatt Rechenkapazität auf Nvidias Grace-Blackwell- und Vera-Rubin-Systemen ab.

Nvidia hat nach eigenen Angaben bereits knapp 50 Milliarden Dollar in führende KI-Labore investiert und bezeichnet das als kleinen Bruchteil des erwarteten freien Cashflows. Hinzu kommen Kreditgarantien in der Größenordnung von 300 Milliarden Dollar.

Nahaufnahme von Mikrochips auf einer Platine

Der Vorwurf der Kreislaufgeschäfte

Genau diese Verflechtung steht in der Kritik. Der Chiphersteller finanziert Kunden, die mit dem Kapital anschließend seine Chips kaufen. Der Umsatz, der daraus entsteht, wird als Nachfrage verbucht, obwohl er zu einem Teil aus dem eigenen Haus stammt.

Wie empfindlich der Markt darauf reagiert, zeigte sich im Juli 2026: Als Berichte über eine Nvidia-Garantie von bis zu 250 Milliarden Dollar für ein OpenAI-Rechenzentrum aufkamen, gab die Nvidia-Aktie im Handelsverlauf um rund 4,5 Prozent nach.

Anthropic-Chef Dario Amodei verteidigt das Modell mit der schlichten Arbeitsteilung: Die eine Seite habe Kapital und ein Interesse daran, Chips zu verkaufen, die andere sei von ihren künftigen Umsätzen überzeugt, habe aber nicht 50 Milliarden Dollar in der Kasse liegen.

Die Bilanz, an der die eigene Automatisierung hängt, ist am Ende die Bilanz eines Unternehmens, das seine Rechenleistung noch nicht aus eigener Kraft bezahlt.

Auch Nvidias eigene Käufe fallen in dieses Muster: Im August übernahm das Unternehmen Hugging Face für 12,9 Milliarden Dollar und damit den zentralen Umschlagplatz für offene Modelle.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

Für den Betrieb einer KI-gestützten Anwendung ist die Finanzierungsfrage nicht so weit weg, wie sie klingt. Preise, Kontingente und Verfügbarkeit hängen daran, ob die Anbieter ihre Rechenleistung weiter subventionieren können.

  • Kalkulieren Sie mit schwankenden Preisen in beide Richtungen. Die Tokenpreise sind zuletzt deutlich gefallen, gleichzeitig wurden Nutzungskontingente gekürzt. Ein Kostenmodell, das nur die heutige Preisliste kennt, trägt nicht über die Vertragslaufzeit.
  • Trennen Sie Ihre Anwendung vom konkreten Modell. Eine dünne Abstraktionsschicht zwischen Fachlogik und Modell-API kostet wenig und macht einen Anbieterwechsel zu einer Konfigurationsfrage statt zu einem Projekt.
  • Verteilen Sie kritische Abläufe nicht blind auf einen Anbieter. Wo ein Prozess stillsteht, wenn eine API nicht antwortet, gehört ein zweiter Anbieter zumindest getestet.
  • Beobachten Sie, wofür Sie tatsächlich zahlen. Viele Automatisierungen laufen auf Modellen, die für die Aufgabe deutlich überdimensioniert sind. Das ist der Hebel, der unabhängig von jeder Marktentwicklung wirkt.

Wenn Sie wissen möchten, wie austauschbar die Modelle in Ihren bestehenden Abläufen sind und wo sich Kosten senken lassen, sprechen Sie uns an.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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