OpenAI: GPT-6.1 migriert COBOL fast fehlerfrei
OpenAI meldet große Fortschritte bei alten Programmiersprachen: GPT-6.1 Sol soll COBOL-Programme in fast 98 Prozent der Testfälle korrekt in moderne Sprachen übertragen. Was die Zahlen bedeuten, wo die Grenzen liegen und wie Unternehmen mit Altsystemen jetzt vorgehen sollten.
In vielen Unternehmen läuft der Kern des Geschäfts noch auf Software aus den Achtzigern. Buchhaltung, Bestandsführung, Abrechnung, geschrieben in COBOL, Fortran oder Visual Basic. Die Menschen, die diesen Code kennen, gehen in Rente, eine Neuentwicklung ist teuer und riskant. OpenAI hat am 19. Oktober Zahlen vorgelegt, nach denen seine neuesten Modelle genau bei diesen Sprachen einen großen Sprung gemacht haben. Engadget und andere Medien haben am 20. Oktober darüber berichtet.
Was OpenAI gemessen hat
Im Mittelpunkt steht ein Migrationstest: Ein Modell bekommt ein COBOL-Programm und soll es nach C++, Java, Kotlin, Python oder Rust übertragen. Bestanden ist eine Aufgabe nur, wenn das neue Programm bei allen versteckten Tests dieselben Ergebnisse liefert wie das Original. Nach Herstellerangaben schafft GPT-6.1 Sol das in 86,6 Prozent der Fälle mit niedrigem Reasoning-Aufwand und in 97,9 Prozent mit hohem Aufwand. Das Vorgängermodell GPT-5.6 Sol kam auf 5,4 Prozent. Die geschätzten API-Kosten sollen dabei um 39 Prozent niedriger liegen.
Dazu kommt ein zweiter Test namens MultiLangBench. Hier soll ein Modell eine SQLite-kompatible Datenbank-Engine bauen, und zwar in 20 verschiedenen Sprachen. GPT-6 Astra erreicht dabei laut OpenAI 87,4 Prozent, GPT-5.6 Sol lag bei 26,8 Prozent. Bei den alten Sprachen ist der Abstand besonders groß:
- COBOL: 72,1 statt 10,9 Prozent
- Fortran: 83,5 statt 21,4 Prozent
- Visual Basic: 89,4 statt 27,5 Prozent
Das günstige Modell GPT-6 Luna kommt auf 40,3 Prozent bei rund 0,77 Dollar pro Durchlauf. GPT-5.6 Sol kostete für seine 26,8 Prozent etwa 3,48 Dollar. Auch das sind Schätzungen aus dem Benchmark, keine Kosten einer echten Migration.

Warum die Zahlen mit Vorsicht zu lesen sind
Alle Werte stammen von OpenAI selbst, auf Tests, die OpenAI selbst entworfen hat. Unabhängig nachgeprüft ist bisher nichts. Das Setup und die Tests von MultiLangBench liegen nach Berichten offen auf GitHub, damit lässt sich das immerhin nachvollziehen. Wie die Modelle verbessert wurden, verrät OpenAI kaum. Engadget nennt nur Rückmeldungen von Entwicklern und Unternehmenskunden.
Wichtiger noch: Ein Testprogramm ist kein gewachsenes Altsystem. In echter Legacy-Software stecken Jahrzehnte an Sonderregeln, Schnittstellen und Annahmen, die nirgends dokumentiert sind. OpenAI sagt das selbst:
„Expert review and extensive testing remain necessary before AI-generated migrations are used in production.“
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Bestand aufnehmen: Welche Systeme laufen noch auf alten Sprachen, wer kennt sie, und was kostet ihr Betrieb? Ohne diese Liste lässt sich kein Migrationsprojekt sinnvoll planen.
- Tests zuerst: Die KI ist nur so gut wie die Prüfung danach. Wer vor der Migration das heutige Verhalten mit echten Daten als Tests festhält, kann die neue Fassung objektiv vergleichen.
- Klein anfangen: Ein abgegrenztes Modul, etwa ein Berechnungs- oder Exportteil, eignet sich als Pilot. Ganze Kernsysteme auf einmal umzustellen bleibt riskant.
- Fachwissen sichern: Die Kolleginnen und Kollegen, die das Altsystem kennen, werden für das Review gebraucht. Gerade jetzt sind sie wertvoller denn je.
- Datenschutz klären: Quellcode mit Geschäftslogik ist ein Betriebsgeheimnis. Vor dem Upload in eine Cloud-KI sollte geklärt sein, unter welchen Bedingungen der Anbieter den Code verarbeitet.
Fazit
Die Migration alter Software war lange das Projekt, das niemand anfassen wollte. Wenn sich OpenAIs Zahlen in der Praxis auch nur annähernd bestätigen, wird sie deutlich billiger und schneller. Ersetzen kann die KI die sorgfältige Prüfung aber nicht. Ähnlich wie beim Dekompilieren von Software verschiebt sich die Arbeit vom Schreiben zum Prüfen. Wenn Sie überlegen, ein Altsystem auf diesem Weg zu modernisieren, sprechen Sie mich gern an.