OpenAI fällt beim Quartalsumsatz erstmals hinter Anthropic zurück

OpenAI meldet 6,7 Milliarden Dollar Umsatz im zweiten Quartal und 12,3 Milliarden Verlust. Anthropic liegt damit erstmals vorn.

Ausgedruckte Geschäftsdiagramme mit Balken- und Kurvenverläufen auf einem Schreibtisch neben einer Brille

OpenAI hat seinen Investoren Zahlen für das zweite Quartal 2026 vorgelegt: 6,7 Milliarden Dollar Umsatz und ein operativer Verlust von 12,3 Milliarden Dollar. Das berichtete das Wall Street Journal am 19. August unter Berufung auf die Investorenkommunikation. Damit liegt OpenAI erstmals hinter Anthropic, das für denselben Zeitraum mehr als 11,5 Milliarden Dollar Umsatz und einen kleinen bereinigten Betriebsgewinn gemeldet hat.

Die Zahlen im Vergleich

Gegenüber dem ersten Quartal mit 5,7 Milliarden Dollar wuchs OpenAIs Umsatz um 18 Prozent. Der Betriebsverlust stieg im selben Zeitraum von 9,3 auf 12,3 Milliarden Dollar, also schneller als der Umsatz. Anthropic kam auf 11,6 Milliarden Dollar im Quartal, mehr als eine Verdopplung gegenüber den 4,73 Milliarden aus dem ersten Quartal, und wies dabei einen bereinigten Betriebsgewinn von 559 Millionen Dollar aus.

Bei den annualisierten Umsatzraten fällt der Abstand ähnlich aus. Bloomberg berichtete am 17. August von einer Run-Rate von mehr als 65 Milliarden Dollar bei Anthropic; für OpenAI werden mehr als 40 Milliarden Dollar genannt.

Ein Vorbehalt gehört zu diesem Vergleich: Keines der beiden Unternehmen ist börsennotiert, beide Zahlenwerke stammen aus Investorenunterlagen und nicht aus geprüften Abschlüssen.

Unklar ist, ob die Zahlen identisch berechnet werden.

Das gilt besonders für die Gewinnseite. Ein bereinigtes Betriebsergebnis lässt einzelne Posten außen vor, und ohne Aufschlüsselung ist nicht erkennbar, welche das sind.

Woran die Verluste bei OpenAI hängen

Das Wall Street Journal nennt drei Treiber. Erstens hat OpenAI langfristige Zusagen für Rechenzentrumskapazität abgeschlossen, die auf ehrgeizigen Umsatzprognosen beruhen. Zweitens nutzen mehrere hundert Millionen Menschen ChatGPT kostenlos, deren Betrieb das Unternehmen mitfinanziert; erst kürzlich hat OpenAI das Nachrichtenlimit für Gratisnutzer aufgehoben. Drittens drückten Preissenkungen auf die Marge, darunter die Senkung um 80 Prozent bei GPT-5.6 Luna.

Als Grund für Anthropics Wachstum verweisen die Berichte vor allem auf das Geschäft mit Entwicklern und Unternehmen, insbesondere auf Claude Code. OpenAI teilte den Investoren mit, dass sich das Wachstum im dritten Quartal nach den Modellveröffentlichungen im Juli wieder beschleunigt habe.

Einordnung in die Börsengangspläne

Anthropic bereitet einen Börsengang vor, der laut Finanzmedien im Herbst stattfinden könnte. Ein Quartal mit positivem bereinigtem Betriebsergebnis ist dafür ein wichtiges Argument. Bei OpenAI steht dagegen eine Verschiebung des Börsengangs auf 2027 im Raum. Die beiden Meldungen treffen in eine Phase, in der Investoren die Kapitalzusagen der Branche kritischer prüfen; sichtbar wurde das zuletzt, als Nvidia seine Kreditgarantie für OpenAIs Rechenzentrum in Ohio deutlich zurücknahm.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Die Marktführerschaft bei KI-Modellen ist nicht festgeschrieben. Wer Automatisierungen baut, sollte das Modell hinter einer eigenen Schnittstelle halten, damit ein Wechsel eine Konfigurationsfrage bleibt und keine Neuentwicklung wird.
  • Verluste dieser Größenordnung werden irgendwann über Preise ausgeglichen. Kalkulieren Sie bei laufenden KI-Prozessen ein, dass günstige Einstiegstarife nicht dauerhaft sind.
  • Preissenkungen wie bei GPT-5.6 Luna sind ein guter Zeitpunkt, bestehende Automatisierungen auf Kosten pro Vorgang zu prüfen, statt nur die Monatsrechnung zu betrachten.
  • Für die Anbieterauswahl zählt weniger der Quartalssieger als die Frage, welches Modell Ihre konkreten Aufgaben zuverlässig löst. Ein eigener Testfall aus dem Tagesgeschäft sagt dazu mehr als jede Bestenliste.
Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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