5,6 Milliarden Euro für Rechenleistung aus Mecklenburg: Schwarz Digits baut bei Rostock
Die Schwarz Gruppe plant in Dummerstorf ein Rechenzentrum mit 240 Megawatt. Ein Baustein für souveräne Cloud-Angebote aus Deutschland.
Schwarz Digits, die IT-Sparte der Schwarz Gruppe hinter Lidl und Kaufland, baut in Dummerstorf bei Rostock ein Rechenzentrum. Bis 2033 sollen dort rund 5,6 Milliarden Euro investiert und 240 Megawatt Anschlussleistung aufgebaut werden. Das Unternehmen hält einen späteren Ausbau auf bis zu 1 Gigawatt für möglich, was den Standort in die Reihe der größten Anlagen in Deutschland stellen würde. Berichtet haben darüber am 27. August 2026 unter anderem heise online, t3n und die dpa.
Für Unternehmen, die seit Jahren nach einer europäischen Alternative zu AWS, Azure und Google Cloud gefragt werden oder selbst danach suchen, ist das eine relevante Zahl. Nicht wegen der Milliardensumme, sondern wegen des Zeitraums, den sie abdeckt.
Was geplant ist
Der Standort liegt rund acht Kilometer vom Rostocker Stadtzentrum entfernt, nahe dem Autobahnkreuz A19/A20. Wenige Kilometer entfernt steht die Konverterstation Bentwisch, über die Strom aus Offshore-Windparks ins Netz eingespeist wird. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt deutlich mehr Strom aus Wind und Sonne, als im Land verbraucht wird; nach Angaben aus der dpa-Meldung deckt Windenergie dort bereits über die Hälfte des Stromverbrauchs.
Während der Bauphase sollen Tausende Arbeitsplätze entstehen, im laufenden Betrieb dauerhaft 120 Stellen für hochqualifizierte Fachkräfte, dazu Aufträge für Wartung und regionale Dienstleister. Mit den Rostocker Stadtwerken wurde eine Absichtserklärung unterzeichnet, die Abwärme der Anlage für die Fernwärmeversorgung der Stadt zu nutzen.
Genutzt wird die Kapazität zunächst für den Eigenbedarf des Konzerns: Daten aus Logistik, Bestellprozessen, Zahlungsverkehr und Kundenbindungsprogrammen. Erst danach soll sie Grundlage für Angebote an Dritte werden.

Der zweite Standort in kurzer Folge
Dummerstorf ist nicht das erste Projekt dieser Größenordnung. In Lübbenau in Brandenburg entsteht bereits ein Rechenzentrum mit rund 200 Megawatt, für das etwa 11 Milliarden Euro veranschlagt sind. In Bad Friedrichshall hat der Konzern einen Campus für 3.500 Beschäftigte eröffnet. Das erklärte Ziel lautet, größter Cloud-Anbieter Europas zu werden.
Als gesetzt gilt zudem, dass sich Schwarz Digits an der Ausschreibung der EU-Kommission für sogenannte AI Gigafactories beteiligt, aller Voraussicht nach gemeinsam mit der Deutschen Telekom.
Der Vorstandsvorsitzende der Schwarz Gruppe, Gerd Chrzanowski, ordnet das Vorhaben ausdrücklich in die Debatte um digitale Souveränität ein.
Digitale Souveränität entsteht nicht durch Appelle oder Reden. Sie entsteht durch Handeln, durch verlässliche Infrastruktur und durch praxistaugliche Anwendungen.
Schwarz Digits ist dabei nicht allein. Microsoft plant im Rheinischen Revier bis zu 520 Megawatt, NTT in Nierstein 480 Megawatt, Telis in Mehrum in Niedersachsen 500 Megawatt. Ein erheblicher Teil der neuen Kapazität in Deutschland entsteht weiterhin unter amerikanischer Flagge.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Der Zeitplan reicht bis 2033. Wer heute vor einer Migrationsentscheidung steht, kann auf diese Kapazität nicht warten. Für die Vertragsverlängerung in drei Jahren ist sie ein Argument, für das laufende Projekt nicht.
- Souveränität hängt am Vertrag, nicht am Standort. Ein Rechenzentrum in Mecklenburg löst die Frage nach dem Zugriff durch Drittstaaten nur, wenn Betreiber, Muttergesellschaft und Support ebenfalls europäisch sind. Genau das ist der Unterschied zu einer EU-Region eines US-Anbieters, und genau danach sollten Sie in Angeboten fragen.
- Prüfen Sie, was Sie überhaupt verlagern müssten. In den meisten Häusern sind es nicht alle Systeme, sondern die wenigen mit personenbezogenen oder wettbewerbsrelevanten Daten. Eine Einteilung nach Schutzbedarf ist die Vorarbeit, die jede spätere Anbieterentscheidung billiger macht.
- Achten Sie auf die Wechselkosten, nicht auf den Listenpreis. Was eine Migration teuer macht, sind Datenausgangsgebühren, proprietäre Dienste und Abhängigkeiten im Code. Wer heute nahe an offenen Schnittstellen baut, hält sich die Tür zu einem Anbieterwechsel offen, ohne dafür etwas zu bezahlen.
- StackIT ist bereits verfügbar. Das Cloud-Angebot der Schwarz Gruppe existiert unabhängig von den neuen Standorten. Wer wissen will, ob es zum eigenen Bedarf passt, muss dafür nicht bis 2033 warten, sondern kann es an einem abgegrenzten Dienst testen.
Einordnung für die Praxis
Ankündigungen dieser Art gab es in den vergangenen Jahren einige, und nicht jede ist gebaut worden. Bemerkenswert ist hier die Kombination: ein Eigentümer, der die Investition aus dem eigenen Handelsgeschäft finanzieren kann, ein zweiter Standort im Bau und ein konkreter Erstbedarf im eigenen Konzern. Das ist eine andere Ausgangslage als bei Projekten, die erst Kunden brauchen, bevor der erste Spatenstich erfolgt.
Für die meisten Unternehmen bleibt die Frage kurzfristig dieselbe: Welche Daten liegen wo, unter welchem Recht, und wie teuer wäre ein Umzug. Wer diese drei Antworten schriftlich hat, kann jedes neue Angebot in wenigen Tagen bewerten, statt bei jeder Ankündigung von vorn anzufangen. Wenn Sie diese Bestandsaufnahme für Ihre Systeme machen möchten, unterstützen wir Sie gern dabei.