World Labs zeigt Atlas: ein Modell für Bild, Video und 3D

World Labs hat Atlas vorgestellt: ein Modell, das Bilder, Video und 3D in einem System verarbeitet. Was bekannt ist und wo es praktisch werden könnte.

Abstrakte dreidimensionale Struktur aus blauen Drahtgitterlinien vor schwarzem Hintergrund

Das Startup World Labs von Fei-Fei Li hat am 1. September 2026 sein Modell Atlas vorgestellt. Das Unternehmen bezeichnet es als Omni-Modell: Text, Bilder, Video und 3D-Daten laufen nicht durch getrennte Spezialsysteme, sondern werden von Grund auf in einem gemeinsamen räumlichen Kontext verarbeitet. Technisch handelt es sich um einen multimodalen autoregressiven Diffusion-Transformer.

Atlas ist damit der Nachfolger der Technik hinter Marble, der bestehenden Plattform von World Labs für generierte 3D-Umgebungen. Künftige Marble-Versionen sollen auf Atlas aufsetzen; die Darstellung als 3D-Gaussian-Splats bleibt dieselbe.

Kamerakontrolle statt Textbeschreibung

Der auffälligste Unterschied zu gängigen Videomodellen betrifft die Steuerung. Atlas nimmt Kamerageometrie als natives Eingabeformat entgegen. Statt eine Bewegung in Worten zu umschreiben, legt man Bildausschnitt und Kamerafahrt konkret fest. World Labs spricht von pixelgenauer Kamerakontrolle.

Die Ausgabe reicht nach Unternehmensangaben bis 1440p bei einer Länge von bis zu einer Minute. Für die Bildgenerierung sind neben Einzelbildern auch 360-Grad-Panoramen möglich.

Aus wenigen Fotos wird eine Szene

Der zweite Teil ist die Rekonstruktion. Atlas verarbeitet zwischen einem und über hundert Eingabebildern und gibt Tiefenkarten, Punktwolken und 3D-Gaussian-Splats aus. Nach Angaben von World Labs übertrifft das Modell dabei spezialisierte Rekonstruktionsmodelle in Benchmarks. Belastbare unabhängige Vergleiche liegen bislang nicht vor.

Praktisch heißt das: Aus einer Handvoll Aufnahmen entsteht eine Szene, die sich anschließend aus beliebigen Blickwinkeln betrachten lässt und im Browser oder auf dem Endgerät gerendert werden kann. World Labs nennt als Anwendungsfelder neben der Bild- und Videoerzeugung ausdrücklich Raum-Zeit-Simulation für visuelle Effekte sowie Navigation und Manipulation in der Robotik.

Vorerst nur für ausgewählte Partner

Atlas läuft aktuell in einem Early-Access-Programm mit ausgewählten Partnern, Interessenten können Zugang beantragen. Preise, API-Details und ein Termin für die allgemeine Verfügbarkeit sind nicht genannt.

World Labs wurde im Februar 2024 gegründet und hat bislang rund 1,2 Milliarden Dollar eingesammelt, unter anderem von Nvidia, AMD und Autodesk. Zum Wettbewerbsumfeld zählen Odyssey mit interaktiven Weltsimulationen, die AMI Labs von Yann LeCun, Niantic Spatial sowie die Videomodelle der großen Anbieter. Zur Einordnung der Finanzierungsrunden in diesem Feld hatte ich im Juli über Kling AI und World Labs geschrieben.

Wo das für Unternehmen relevant wird

Interaktive 3D-Inhalte auf einer Website setzten bisher eine eigene Pipeline voraus: Objekte modellieren oder scannen, Daten aufbereiten, Viewer einbinden, Ladezeiten in den Griff bekommen. Genau diesen Aufwand adressiert ein Modell, das aus vorhandenen Produktfotos eine begehbare Darstellung erzeugt.

Für Produktkonfiguratoren, Immobilien- und Raumdarstellungen oder Ausstellungsstücke wäre das eine deutliche Verkürzung. Solange Atlas aber nur im Early Access verfügbar ist und weder Preise noch Lizenzbedingungen bekannt sind, bleibt das eine Richtungsangabe und keine Planungsgrundlage. Wer heute 3D auf der Website braucht, kommt an den etablierten Werkzeugen nicht vorbei.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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