Anthropic bestätigt Entwicklung eigener KI-Chips

Anthropic baut eine eigene Chip-Abteilung auf und sucht Personal. Samsung gilt als möglicher Fertiger, der Multi-Chip-Ansatz bleibt.

Nahaufnahme eines strukturierten Silizium-Wafers - Symbolbild für Chipfertigung

Anthropic entwickelt künftig eigene KI-Chips. Das Unternehmen hat den Aufbau einer entsprechenden Abteilung bestätigt, nachdem TechCrunch am 5. August 2026 auf entsprechende Stellenausschreibungen aufmerksam gemacht hatte. Gegenüber TechCrunch erklärte Anthropic, man plane, Hardware und Modelle gemeinsam zu entwerfen, damit die eigene Technik schneller und effizienter laufe.

Ein eigenes Team für Chipdesign

Die ausgeschriebenen Stellen richten sich an Ingenieurinnen und Ingenieure mit Erfahrung im Chipdesign. Gesucht werden Fachleute für mehrere Disziplinen entlang der Kette von Entwurf und Verifikation bis zur Fertigungsvorbereitung. Berichte nennen Gehaltsspannen im Bereich von 320.000 bis 485.000 US-Dollar für die Hardware-Positionen.

Der Ansatz, Modell und Hardware zusammen zu entwickeln, ist in der Branche nicht neu. Google betreibt mit den TPUs seit Jahren eigene Beschleuniger, Amazon mit Trainium ebenfalls, Meta arbeitet an eigenen Bausteinen und OpenAI hatte im Juni 2026 einen ersten eigenen Chip unter dem Namen Jalapeño vorgestellt. Anthropic war bislang das größte KI-Labor ohne eigenes Silizium.

Samsung als möglicher Fertiger

Bereits Anfang Juli 2026 hatte The Information berichtet, Anthropic prüfe Samsung als Partner für die physische Fertigung. Im Gespräch sind demnach Samsungs 2-Nanometer-Prozess und die Packaging-Kapazitäten des Konzerns. Bestätigt ist die Zusammenarbeit nicht, Anthropic hat sich zu einem Fertigungspartner bislang nicht geäußert.

Ebenfalls unbestätigt sind kursierende Zahlen zum Umfang des Vorhabens. In verschiedenen Berichten ist von einer Investition in der Größenordnung von 500 Millionen US-Dollar die Rede sowie von dem Ziel, die Inferenzkosten für Claude-Modelle deutlich zu senken. Diese Angaben stammen aus Sekundärquellen und nicht aus einer Mitteilung des Unternehmens.

Der Multi-Chip-Ansatz bleibt

Ein Abschied von externen Lieferanten ist damit nicht verbunden. Ein Sprecher bekräftigte gegenüber Business Insider den Multi-Chip-Ansatz des Unternehmens. Anthropic bezieht Rechenkapazität derzeit aus mehreren Richtungen: mehrere Gigawatt über Google, dazu Vereinbarungen mit AWS, Nvidia und AMD. Der im Juli geschlossene AMD-Deal umfasst eine Kapitalbeteiligung von bis zu 5 Milliarden US-Dollar und den Aufbau von bis zu 2 Gigawatt Rechenleistung.

Eigene Chips wirken in dieser Aufstellung weniger als Ersatz denn als zusätzliche Option. Bis eigene Bausteine im Rechenzentrum laufen, vergehen erfahrungsgemäß mehrere Jahre. Einen Zeitplan hat Anthropic nicht genannt.

Was das für Anwender heißt

Für Nutzerinnen und Nutzer von Claude ändert sich kurzfristig nichts. Mittelfristig ist die Frage der Chipbeschaffung allerdings einer der Faktoren, die über die Preise für Token entscheiden. Wer heute Anwendungen auf einem Modellanbieter aufbaut, erbt dessen Lieferkette mit: Verfügbarkeit von Rechenleistung, Vertragsbindungen an einzelne Hersteller und die daraus folgende Preisentwicklung.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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