Anthropic veröffentlicht Claude Opus 5.5 zu niedrigeren Preisen
Anthropic hat Claude Opus 5.5 freigegeben: 20 Prozent niedrigere Token-Preise, schnellere Ausgabe und vier Änderungen, die bestehenden Code brechen.
Anthropic hat am 22. September 2026 Claude Opus 5.5 veröffentlicht. Das Modell folgt auf Claude Opus 5 und ist nach Angaben des Unternehmens ab sofort für alle Kunden verfügbar: über die Claude API unter der Modell-ID claude-opus-5-5 sowie über Amazon Bedrock, Claude Platform on AWS, Google Cloud und Microsoft Foundry. Claude Opus 5 bleibt auf allen Plattformen weiter erreichbar.
Die technischen Eckdaten entsprechen dem Vorgänger. Das Kontextfenster fasst eine Million Token und ist zugleich Standard und Maximum, die Ausgabe ist auf 128.000 Token begrenzt. Der Tokenizer ist unverändert, Token-Zählungen aus bestehenden Integrationen bleiben also vergleichbar. Der Wissensstand des Modells reicht bis Juni 2026. Anthropic kündigt Claude Sonnet 5.5 und Claude Haiku 5.5 für die kommenden Wochen an.
Preise sinken, Cache-Zugriffe deutlich
Eingabe kostet 4 US-Dollar je Million Token, Ausgabe 20 US-Dollar. Bei Claude Opus 5 waren es 5 beziehungsweise 25 US-Dollar, der Rückgang liegt damit bei 20 Prozent. Stärker fällt die Senkung bei den Cache-Reads aus: Sie kosten 0,20 statt 0,50 US-Dollar je Million Token, ein Minus von 60 Prozent.
Cache-Reads machen bei agentischen Läufen und beim Programmieren den größten Teil der Rechnung aus, weil derselbe Prompt-Präfix immer wieder gelesen wird. Über typische Arbeitslasten hinweg beziffert Anthropic die Ersparnis gegenüber Claude Opus 5 deshalb auf rund 40 Prozent. Die Ausgabe erfolgt laut Hersteller zudem mehr als 30 Prozent schneller. Der Fast Mode, weiterhin nur über die Claude API verfügbar, kostet 8 US-Dollar Eingabe und 40 US-Dollar Ausgabe je Million Token.
Was das Modell leisten soll
Anthropic ordnet Opus 5.5 auf dem Niveau von Claude Fable 5.1 ein, dem bislang teuersten Modell der Reihe. Genannt werden unter anderem 66,4 Prozent auf Terminal-Bench 4.0 gegenüber 52,3 Prozent bei Opus 5, 54,4 Prozent auf FrontierCode v1.1 sowie 81,8 Prozent auf OSWorld 2.0 für das Bedienen von Rechnern. Als Beispiel für längere Läufe nennt das Unternehmen eine Code-Migration über 680.000 Zeilen in weniger als einem Tag.
Diese Zahlen stammen aus den Messungen des Anbieters. Unabhängige Ergebnisse liegen bisher nicht vor. Vor der Freigabe haben externe Prüfer das Modell getestet, darunter Frontier Design und METR.
Vier Änderungen brechen bestehenden Code
Wer bisher claude-opus-5 aufruft, kommt mit dem reinen Austausch der Modell-ID nicht in jedem Fall durch.
Denken lässt sich nicht mehr abschalten. Sowohl thinking: {"type": "disabled"} als auch die ältere Budget-Form führen auf jeder Effort-Stufe zu einem Fehler 400. Steuern lässt sich der Aufwand nur noch über output_config.effort.
Erzwungene Tool-Aufrufe werden nicht mehr unterstützt. Ein tool_choice vom Typ any oder tool wird abgewiesen, in der Messages-API ebenso wie in der Batch-API und bei der Token-Zählung. Anthropic verweist auf auto in Verbindung mit strikten Tool-Definitionen oder auf Structured Outputs.
Thinking-Blöcke sind an Modell und Konversation gebunden. Opus 5.5 liest die Denkblöcke älterer Opus-, Sonnet- und Haiku-Modelle, umgekehrt gilt das nur für Claude Fable 5.1 und Claude Mythos 5.1. Ein Wechsel zurück auf Opus 5, etwa als Rückfallebene nach einer Ablehnung, läuft ohne die bisherige Argumentation weiter. Für Konten, die ab dem 31. August 2026 angelegt wurden, wird zusätzlich geprüft, ob frühere Turns nachträglich bearbeitet wurden.
Computer Use funktioniert nur noch über das Toolset computer_toolset_20260801. Der ältere Eintrag computer_20251124 wird abgewiesen. Das Toolset ist auf der Claude API und bei Google Cloud allgemein verfügbar; andere Plattformen bieten bisher nur die früheren Beta-Fassungen, dort fehlt damit vorerst ein Weg zu Computer Use mit Opus 5.5.
Der Denkaufwand ist voreingestellt niedriger
Eine Änderung fällt auch ohne Anpassung am Code auf: Die Voreinstellung für effort liegt bei medium, bei Claude Opus 5 war es high. Wer den Wert nie gesetzt hat, bekommt also ein Modell, das weniger denkt und entsprechend weniger kostet, aber bei anspruchsvollen Aufgaben anders abschneidet als gewohnt. Anthropic empfiehlt, die Stufe künftig ausdrücklich zu setzen.
Hinzu kommt eine Änderung an der Antwortstruktur, die keine Anfrage scheitern lässt: Text zwischen zwei Tool-Aufrufen kommt als Thinking-Block zurück und ist in der Voreinstellung leer. Wer diese Zwischenmeldungen anzeigen will, muss display auf updates setzen.
Sicherheitsprüfung und Klassifikatoren
Anthropic bezeichnet das Modell als das bislang beste in den eigenen Alignment-Tests.
Opus 5.5 is the strongest-performing model we have tested to date.
Der Satz bezieht sich auf das automatisierte Verhaltensaudit des Unternehmens, nicht auf eine externe Prüfung. Das Modell sei außerdem weniger anfällig für Prompt Injection.
Die Sicherheitsklassifikatoren decken mehr Bereiche ab als bisher: Neben cyber kommen bio und reasoning_extraction hinzu. Letzterer greift, wenn ein Prompt das Modell dazu bringen soll, seine interne Argumentation im Antworttext wiederzugeben. Abgelehnte Anfragen kommen mit HTTP 200 und dem Stop-Grund refusal samt Angabe der Kategorie zurück. Für Cybersicherheitsfälle ist Claude Opus 4.8 als Rückfallebene vorgesehen. Eine Zero-Data-Retention-Option gibt es, ebenso eine Kennzeichnung nach den Vorgaben des AI Act.
Die Freigabe ist die erste seit der öffentlichen Position von Anthropic-Chef Dario Amodei, das Tempo an der Leistungsgrenze bewusst zu drosseln, damit die Sicherheitsarbeit mithält. Das Unternehmen ordnet Opus 5.5 selbst in diese Linie ein: mehr Effizienz und Absicherung statt eines reinen Leistungssprungs.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Wer Claude Opus 5 produktiv einsetzt, kann die laufenden Kosten allein über den Modellwechsel senken, vor allem bei Anwendungen mit hohem Cache-Anteil.
- Vor dem Wechsel gehören vier Punkte auf die Prüfliste: abgeschaltetes Denken, erzwungene Tool-Aufrufe, der Umgang mit Thinking-Blöcken und Computer Use.
- Die neue Voreinstellung
mediumbeim Effort sollte man bewusst überschreiben, statt sie stillschweigend zu übernehmen. - Wer Computer Use auf Bedrock oder Foundry betreibt, wartet vorerst auf das neue Toolset.
- Leistungsangaben stammen bisher vom Anbieter; für eigene Anwendungsfälle bleibt ein Test auf echten Aufgaben die belastbarere Grundlage.