Schwab und JPMorgan sperren fremde KI-Agenten aus
Der US-Broker Charles Schwab blockiert KI-Agenten, die sich mit den Zugangsdaten von Kunden einloggen, darunter Metas Muse. Auch JPMorgan lässt keine fremden Agenten handeln. Statt Login per Agent soll es kontrollierte Schnittstellen geben. Was das für Betreiber von Kundenportalen heißt.
KI-Agenten sollen künftig Einkäufe erledigen, Verträge kündigen und Geld anlegen. Zwei große US-Finanzhäuser ziehen jetzt eine klare Grenze: Der Broker Charles Schwab blockiert fremde Agenten, die sich mit den Zugangsdaten ihrer Kunden anmelden. Und JPMorgan-Chef Jamie Dimon stellt klar, dass bei seiner Bank kein externer Agent im System handeln darf. Darüber berichteten American Banker am 15. Oktober und The Next Web am 16. Oktober, beide unter Berufung auf ein Interview von Schwab-Chef Rick Wurster.
Was Schwab blockiert
Gesperrt werden Agenten, die mit den Login-Daten des Kunden oder per Browser-Automatisierung auf die Schwab-Systeme zugreifen. Laut The Next Web gehört dazu auch Metas persönlicher Agent Muse, der für seine Nutzer bucht, kauft und verhandelt. Wurster begründet das mit der ungeklärten Verantwortung:
We can't control it, the client can't control it, something could go wrong and who's liable?
Also: Weder Schwab noch der Kunde habe den Agenten unter Kontrolle, und wenn etwas schiefgehe, sei offen, wer hafte. Gegenüber American Banker sagte Wurster, ein Agent, der einfach auf die Website kommt, sei der eine Weg, den Schwab für nicht sicher halte: „We are not going to allow that.“
Wie oft das passiert, ist nicht ganz klar. Wurster bekommt nach eigenen Worten Meldungen über die Sperren. The Next Web zitiert ihn mit „tens and twenties each week“ bei den großen Agenten, American Banker beschreibt die Meldungen dagegen als selten, weil die meisten Kunden Agenten so noch gar nicht nutzen.
Zwei erlaubte Wege statt Login per Agent
Ganz aussperren will Schwab die KI nicht. Wurster nennt zwei Wege: das eigene Sprachmodell des Kunden über eine kontrollierte Anbindung oder Schwabs eigener Assistent „Charley“, den das Haus am 30. September angekündigt hat. Laut The Next Web plant Schwab dafür Server nach dem Model Context Protocol (MCP). Darüber sollen externe KI-Werkzeuge Kontostände abfragen und recherchieren können, aber kein Geld bewegen. Charley selbst kann laut American Banker zunächst nur wenige Aufgaben erledigen, etwa eine Adresse ändern oder eine Vertrauensperson eintragen.

JPMorgan zieht mit
JPMorgan-Chef Jamie Dimon sagte in dieser Woche bei der Vorstellung der Quartalszahlen, die Bank werde keinem „outside agent to come in inside the company“ erlauben, „because that's just too risky for clients and for JPMorgan“. Lesender Zugriff über Drittanbieter-Werkzeuge ist laut The Next Web bereits möglich, Überweisungen oder das Bezahlen von Rechnungen dagegen nicht.
Nicht nur Sicherheit, auch Geschäft
Ganz uneigennützig ist die Linie nicht. Schwab verdiente im dritten Quartal laut American Banker knapp 3,48 Milliarden Dollar Nettozinsertrag, ein großer Teil davon auf rund 493 Milliarden Dollar, die Kunden auf Verrechnungskonten liegen lassen. Ein fremder Agent könnte dieses Geld automatisch in besser verzinste Anlagen schieben. Der Berater Tim Welsh bringt es auf den Punkt: „An outside agent works for the client“, aber „Charley works for Schwab“. Wurster widerspricht: Kunden, die KI fürs Trading nutzen, hielten sogar mehr Bargeld bei Schwab.
Die Haftungsfrage selbst ist auch politisch offen. In den USA wird sie im Kongress diskutiert, und die FTC prüft bereits, wer haftet, wenn ein Agent zu weit geht.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Agenten kommen auch zu Ihnen: Wer ein Kundenportal, einen Shop oder ein Buchungssystem betreibt, bekommt Besuch von Agenten, die mit echten Kundenlogins arbeiten. Prüfen Sie, ob Sie das in Ihren Logs überhaupt erkennen.
- Entscheiden statt dulden: Legen Sie fest, ob Sie solche Zugriffe sperren, zulassen oder über eine eigene Schnittstelle lenken. Nichts zu entscheiden ist auch eine Entscheidung.
- Lesen ja, Handeln nein: Das Muster von Schwab und JPMorgan taugt als Vorlage. Lesende Schnittstellen sind ein überschaubares Risiko, alles, was Geld oder Verträge bewegt, braucht eine ausdrückliche Freigabe.
- Haftung in die AGB: Regeln Sie, was gilt, wenn ein Kunde einem Agenten seine Zugangsdaten gibt. Bisher ist das in vielen Bedingungen nicht vorgesehen.
- Eigene Agenten im Blick: Umgekehrt gilt: Wenn Ihre Mitarbeiter Agenten wie die ChatGPT-Steuerung für Chrome einsetzen, können diese bei Partnern und Banken schlicht ausgesperrt werden.
Fazit
Schwab und JPMorgan zeigen, wohin es geht: Agenten ja, aber durch die Vordertür, mit klaren Rechten und ohne Zugriff aufs Geld. Für Betreiber von Portalen ist das eine gute Vorlage, für Nutzer von Agenten ein Hinweis, dass nicht jeder Dienst sie einlässt. Wenn Sie überlegen, wie Sie KI-Agenten kontrolliert an Ihre Systeme anbinden, sprechen Sie mich gern an.