ChatGPT steuert jetzt Tabs in Chrome

OpenAIs Chrome-Erweiterung liest offene Tabs nicht mehr nur mit, sie kann sie auch bedienen: Nachrichten senden, Formulare ausfüllen, Dateien herunterladen. Was die Erweiterung kann, welche Schutzregeln OpenAI vorsieht und warum Unternehmen jetzt Browser-Regeln brauchen.

Kleine weiße Roboterfigur steht auf einem Stapel bunter, durchscheinender Glasplatten auf einem hellen Holztisch

Der Browser ist der Ort, an dem die meiste Büroarbeit stattfindet. Genau dort setzt OpenAI jetzt an: Die ChatGPT-Erweiterung für Chrome kann offene Tabs nicht nur lesen, sondern auch selbst bedienen. Über das Update berichteten am 16. Oktober unter anderem 9to5Google und The Decoder.

Zwei Modi: mitlesen und mitarbeiten

Die Erweiterung kennt zwei Arbeitsweisen. Im Chat-Modus nutzt ChatGPT die geöffneten Tabs als Kontext, etwa um eine Seite zusammenzufassen oder mehrere Angebote nebeneinander auszuwerten. Im Arbeitsmodus greift ChatGPT per Computer Use selbst zu. Laut OpenAI kann ChatGPT dann

control your Chrome tabs to get things, like sending messages, filling out forms, or downloading files

also Tabs steuern, um Nachrichten zu senden, Formulare auszufüllen oder Dateien herunterzuladen. Dazu kommt das Gruppieren von Tabs. Einzelne Tabs lassen sich im Chat mit @chrome gezielt ansprechen, die Seitenleiste zeigt inzwischen den ganzen Chatverlauf.

Laut The Decoder steht die Erweiterung allen ChatGPT-Tarifen offen. Ob die Tab-Steuerung tatsächlich überall freigeschaltet ist, bleibt offen: Der Arbeitsmodus kam zunächst für Pro, Enterprise und Edu. Zur Verfügbarkeit in der EU machen weder OpenAI noch die Berichte eine konkrete Angabe. In der Dokumentation heißt es nur, die Verfügbarkeit hänge vom Rollout und den Einstellungen des Arbeitsbereichs ab.

Welche Schutzregeln OpenAI vorsieht

In der Dokumentation zur Erweiterung beschreibt OpenAI einige Leitplanken:

  • Bevor ChatGPT auf einer neuen Website tätig wird, fragt die Erweiterung standardmäßig nach.
  • Pro Browser lassen sich Listen mit erlaubten und gesperrten Websites pflegen.
  • Für den Zugriff auf den Browserverlauf gibt es keine Einstellung „immer erlauben“.
  • Sind die Memories in ChatGPT ausgeschaltet, nutzt auch die Browsersteuerung keine.

Bemerkenswert deutlich sind die Warnungen, die OpenAI selbst mitgibt. Nutzer sollen Seiteninhalte als nicht vertrauenswürdig behandeln und die Website prüfen, bevor sie ChatGPT weiterarbeiten lassen. Und: „Avoid sending secrets or highly sensitive data through browser tasks“, also keine Geheimnisse oder hochsensiblen Daten über Browser-Aufgaben schicken.

Messing-Vorhängeschloss mit kleinem Schlüssel auf einem hellen Tisch neben einem zugeklappten Laptop und einer Grünpflanze

Warum das mehr ist als ein Komfort-Update

Ein Assistent, der Texte vorschlägt, ist das eine. Ein Assistent, der im angemeldeten Browser Nachrichten verschickt und Formulare absendet, handelt mit den Rechten des Mitarbeiters: im CRM, im Webmailer, im Lieferantenportal. Jede Webseite, die er dabei liest, kann versteckte Anweisungen enthalten. Genau deshalb warnt OpenAI vor Seiteninhalten als „untrusted context“. Wie schnell gewöhnliche Webinhalte zum Angriffsweg werden, zeigt etwa der Fall der Spyware über Werbebanner.

Neu ist die Richtung nicht: Anthropic hat seine Browsersteuerung bereits allgemein freigeschaltet, und die großen Anbieter bauen ganze Rechnerflotten für klickende Agenten auf. Mit einer Erweiterung für den Alltagsbrowser landet die Technik aber direkt auf den Arbeitsplätzen, oft ohne dass die IT davon erfährt.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Erweiterungen zentral steuern: Legen Sie per Richtlinie fest, welche Browser-Erweiterungen auf Firmenrechnern erlaubt sind. Sonst installiert sie jeder selbst.
  • Erlaubte Websites festlegen: Wenn Sie die Erweiterung zulassen, nutzen Sie Erlaubnis- und Sperrlisten. Bankzugänge, Personalsysteme und Admin-Oberflächen gehören auf die Sperrliste.
  • Freigaben nicht wegklicken: Die Rückfrage vor jeder neuen Website ist der wichtigste Schutz. Schulen Sie Ihr Team, sie ernst zu nehmen.
  • Keine sensiblen Daten über Browser-Aufgaben: Das rät OpenAI selbst. Personenbezogene Daten und Zugangsdaten bleiben draußen, auch aus Datenschutzgründen.
  • Verantwortung klären: Was der Agent im Namen eines Mitarbeiters abschickt, gilt als abgeschickt. Regeln Sie, wer prüft, bevor etwas rausgeht.

Fazit

Mit der Tab-Steuerung wird ChatGPT vom Ratgeber zum Mitarbeiter im Browser. Das spart Klickarbeit, verschiebt aber Verantwortung: Was der Agent sendet, sendet das Unternehmen. Wer klare Regeln für Erweiterungen, Websites und Daten aufstellt, kann die Funktion sinnvoll nutzen. Wenn Sie dabei Unterstützung möchten, sprechen Sie mich gern an.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

Kostenlose Beratung
← Zurück zu den News