Zehntausende Macs für Agenten, die selbst klicken: OpenAI kauft, Anthropic mietet

OpenAI soll zehntausende Mac mini und Mac Studio gekauft haben, um Agenten am Bildschirm zu trainieren. Anthropic mietet dieselbe Hardware bei AWS.

Lange Tischreihe mit mehreren gleichartigen Computerarbeitsplätzen in einem leeren Raum, alle Bildschirme ausgeschaltet

OpenAI hat nach einem Bericht von The Information vom 31. August 2026 über Monate hinweg zehntausende Mac mini und Mac Studio gekauft. Die Geräte sollen nicht Modelle im großen Stil trainieren, sondern eine bestimmte Sorte Agenten: solche, die einen Rechner selbst bedienen. Also Fenster öffnen, in Oberflächen navigieren, Formulare ausfüllen, Dokumente anlegen.

Eine genaue Stückzahl nennt der Bericht nicht, ebenso wenig einen Kaufpreis. Zur Einordnung hilft eine einfache Überschlagsrechnung: Der neue Mac mini beginnt laut Apple bei 899 US-Dollar, der Mac Studio bei 2.499 US-Dollar. Eine Flotte im Bereich von zehntausend Geräten liegt damit selbst in der günstigsten Ausstattung im zweistelligen Millionenbereich. Gemessen an den Summen, die im selben Zeitraum für Rechenzentren aufgerufen werden, ist das ein Randposten.

Warum ausgerechnet Desktop-Rechner

Die technische Begründung im Bericht ist der gemeinsame Speicher der Apple-Chips. CPU und GPU greifen dort auf denselben Arbeitsspeicher zu, statt Daten zwischen getrennten Speicherbereichen hin und her zu kopieren. Für Aufgaben, die aus vielen kleinen, aufeinander aufbauenden Schritten bestehen und dabei ständig zwischen Bildinhalt, Zustand und nächster Aktion wechseln, ist dieser Zuschnitt günstiger als eine klassische Beschleunigerkarte, die auf große, gleichförmige Rechenlast ausgelegt ist.

Wichtig ist, was der Bericht nicht sagt: Die Macs ersetzen keine Nvidia-Systeme. Das Training der Sprachmodelle selbst läuft weiter auf den bekannten Clustern. Die Mac-Flotte deckt eine Sonderlast daneben ab, nämlich das bestärkende Lernen für Agenten, die eine Benutzeroberfläche bedienen. Für so etwas braucht man viele echte Rechner, die viele echte Sitzungen parallel durchspielen.

Apple selbst bedient diese Nachfrage inzwischen offen. In der Mitteilung zum neuen Mac mini vom 25. August 2026 wird Hardwarechef Johny Srouji mit dem Satz zitiert, der Rechner werde als Heimcomputer, in professionellen Studios und als dauerhaft laufendes Agentengerät verwendet. Der Begriff steht damit in einer Produktankündigung, nicht in einem Analystenpapier.

Anthropic mietet, statt zu kaufen

Denselben Ansatz verfolgt laut Bericht Anthropic, allerdings ohne eigene Hardware: Das Unternehmen mietet Mac-Kapazität über Amazon Web Services. Möglich ist das, weil AWS Apple-Rechner als EC2-Mac-Instanzen anbietet, aktuell unter anderem mit M4, M4 Pro, M4 Max und M3 Ultra.

Der Unterschied zwischen Kaufen und Mieten ist hier größer, als er klingt. EC2-Mac-Instanzen gibt es ausschließlich als dedizierte Hosts, und AWS nennt dafür eine Mindestzuteilung von 24 Stunden je Host, ausdrücklich zur Einhaltung der Lizenzbedingungen für macOS. Eine Mac-Flotte in der Cloud lässt sich also nicht im Minutentakt hoch- und runterfahren wie gewöhnliche Rechenknoten. Wer sehr viele Sitzungen sehr lange laufen lässt, kommt mit gekaufter Hardware günstiger weg. Wer schwankenden Bedarf hat, zahlt lieber die Miete und spart sich Beschaffung und Betrieb.

Was Apples Zahlen zeigen und was nicht

In den Berichten taucht regelmäßig Apples Mac-Geschäft als Beleg auf. Der Blick in den Quartalsbericht bestätigt die Zahl: Im dritten Quartal des Geschäftsjahres 2026, das am 27. Juni 2026 endete, setzte Apple mit Macs 10,352 Milliarden US-Dollar um, nach 8,046 Milliarden im Vorjahresquartal. Das sind rund 29 Prozent mehr.

Ein Beleg für den Zusammenhang ist das allerdings nicht. Das Quartal war zwei Monate vor dem Bericht abgeschlossen, und Apple schlüsselt seine Umsätze weder nach Kunden noch nach Modellen auf. Aus der Zahl lässt sich ablesen, dass das Mac-Geschäft deutlich gewachsen ist, nicht aber, welcher Anteil davon auf KI-Unternehmen entfällt.

Belegt ist dagegen die Produktseite: Apple hat am 25. August 2026 den Mac mini mit den Chips M6 und M5 Pro sowie den Mac Studio mit M5 Max und M5 Ultra vorgestellt, beide ab dem 22. September verfügbar, die Ausbaustufe des Mac Studio mit 512 Gigabyte gemeinsamem Speicher ab Ende Oktober. Ob dieser Termin etwas mit der Nachfrage großer KI-Kunden zu tun hat, sagt Apple nicht.

Was ein Agent am Bildschirm im Betrieb übernehmen kann

Für Unternehmen ist die Meldung vor allem ein Hinweis darauf, wohin die Entwicklung läuft. Ein Agent, der Oberflächen bedient, ist dort interessant, wo eine Schnittstelle fehlt: Altsysteme ohne API, Behörden- und Lieferantenportale, Fachanwendungen, aus denen Daten sonst von Hand in ein anderes System übertragen werden. Genau diese Übertragungsarbeit ist der realistische erste Anwendungsfall, nicht die freie Bearbeitung beliebiger Aufgaben.

Die Grenzen sind ebenso deutlich. Jeder Schritt kann schiefgehen, und die Fehlerwahrscheinlichkeiten multiplizieren sich über eine lange Kette: Eine Automatisierung mit dreißig Klicks ist nur so gut wie das Produkt ihrer Einzelschritte. Layoutänderungen, verschobene Schaltflächen, abgelaufene Anmeldungen und Sicherheitsabfragen brechen Abläufe. Dazu kommt der Datenschutz, denn ein bildschirmgesteuerter Agent sieht alles, was auf dem Bildschirm steht, auch das, was nicht zur Aufgabe gehört.

Aus der Praxis heraus lohnt deshalb eine Reihenfolge, bevor man zum Bildschirm greift.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Prüfen Sie zuerst, ob es eine Schnittstelle gibt. Eine API oder ein Datenexport ist schneller, billiger und stabiler als jede Bildschirmsteuerung. Viele Fachsysteme haben eine, ohne dass es im Haus bekannt ist.
  • Nutzen Sie die Struktur der Seite vor dem Bildschirmfoto. Bei Webanwendungen lässt sich der Seiteninhalt über das Dokumentmodell ansprechen. Das ist eindeutig und überlebt kleine Designänderungen, während eine bildbasierte Steuerung schon an einer verschobenen Schaltfläche scheitert.
  • Halten Sie die Ketten kurz. Zerlegen Sie einen Ablauf in einzelne, prüfbare Abschnitte mit klarem Zwischenergebnis, statt einen Agenten dreißig Schritte am Stück gehen zu lassen. Fehler fallen so früh auf und lassen sich gezielt wiederholen.
  • Geben Sie dem Agenten ein eigenes Konto mit eigenen Rechten. Kein geteilter Zugang eines Mitarbeiters. Nur so ist im Nachhinein nachvollziehbar, wer eine Buchung ausgelöst hat, und nur so lassen sich die Rechte auf das Nötige begrenzen.
  • Klären Sie, was der Bildschirm preisgibt. Wenn ein Agent Screenshots verarbeitet, gehört festgelegt, welche Anwendungen währenddessen geöffnet sein dürfen und wo die Bilder verarbeitet und gespeichert werden.

Interessant an dem Vorgang ist weniger die Hardware als das Signal dahinter. Wenn zwei der größten Anbieter eigene Rechnerflotten für das Training bildschirmbedienender Agenten aufbauen, ist das ein Hinweis darauf, dass diese Art der Automatisierung über den Vorführstand hinaus ist. Bis solche Agenten im Alltag zuverlässig arbeiten, bleibt die unspektakuläre Variante die bessere: eine saubere Schnittstelle dort, wo es sie gibt.

Wenn Sie wissen möchten, welche Abläufe in Ihrem Haus sich sinnvoll automatisieren lassen und wo eine Schnittstelle die bessere Lösung ist als ein klickender Agent, sehen wir uns das gern gemeinsam an.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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