ChatGPT zeigt ab Ende August auch in Deutschland Werbung

OpenAI bringt Anzeigen in ChatGPT Free und Go nach Deutschland. Zunächst ohne Personalisierung, gekennzeichnet als gesponsert.

Smartphone mit geöffneter ChatGPT-Oberfläche auf einer strukturierten Tischplatte

OpenAI hat Nutzerinnen und Nutzer im Europäischen Wirtschaftsraum darüber informiert, dass ChatGPT ab Ende August Anzeigen ausspielt. Damit erreicht die Werbeeinführung nach einem halben Jahr auch Deutschland. Betroffen sind die kostenlose Variante Free und der Einsteigertarif Go für 7,99 Euro im Monat. Plus, Pro, Business, Enterprise und Education bleiben werbefrei.

Wie die Anzeigen aussehen sollen

Die Werbung erscheint unterhalb der Modellantwort, ist als gesponsert gekennzeichnet und optisch vom Text abgesetzt. OpenAI erklärt, die Anzeigen beeinflussten die Antwort selbst nicht, und Nutzerdaten würden nicht an Werbetreibende verkauft.

Zum Start bleibt die Ausspielung kontextbezogen. Herangezogen werden nach Angaben des Unternehmens nur das Thema des laufenden Gesprächs, der ungefähre Standort, der Gerätetyp, die Tageszeit und die Sprache. Frühere Unterhaltungen und gespeicherte Erinnerungen bleiben außen vor. Eine personalisierte Ausspielung soll erst später möglich sein und dann eine ausdrückliche Zustimmung voraussetzen.

Ausgenommen sind mehrere Bereiche: Bei Gesundheits-, Psychologie- und politischen Themen soll keine Werbung erscheinen, ebenso wenig in temporären Chats, im Browser Atlas und bei Minderjährigen.

Smartphone im Dunkeln zeigt eine Chat-Oberfläche mit hellem Text

Ein halbes Jahr Anlauf

Die Einführung läuft seit Anfang des Jahres in Etappen. Im Januar kündigte OpenAI erste Tests an, im Februar startete der Pilot in den USA für volljährige, angemeldete Nutzer der Tarife Free und Go. Seit Mai können US-Werbetreibende Anzeigen selbst buchen. Am 11. August kamen Großbritannien, Mexiko, Brasilien, Japan und Südkorea hinzu. Der EWR folgt nun als vorerst letzter großer Markt, was auch mit den strengeren Anforderungen an Einwilligung und Datennutzung zu tun hat.

Ob und wann Werbetreibende aus Deutschland selbst buchen können, ist bislang offen. Die Selbstbuchung ist bisher auf den US-Markt beschränkt.

Für Unternehmen verschiebt sich damit eine Frage, die bisher theoretisch war: Wer in einer KI-Antwort auftaucht, tut das künftig entweder, weil das Modell ihn nennt, oder weil jemand dafür bezahlt hat.

Was sich für die Sichtbarkeit ändert

Bisher war die Antwort eines Assistenten ein rein redaktionelles Ergebnis: Das Modell nannte Anbieter, Produkte oder Quellen, weil sie in seinen Daten oder in der Websuche vorkamen. Mit dem Anzeigenplatz darunter entsteht daneben eine bezahlte Ebene. Beide Ebenen stehen auf demselben Bildschirm und konkurrieren um dieselbe Aufmerksamkeit.

Für die eigene Sichtbarkeit heißt das nicht, dass organische Nennungen wertlos werden. Sie bleiben der einzige Weg, in der Antwort selbst vorzukommen. Es heißt aber, dass der freie Platz darunter künftig einen Preis hat und dass Wettbewerber ihn belegen können, sobald die Buchung in Europa möglich wird.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Prüfen Sie, wie Ihr Unternehmen in KI-Antworten derzeit vorkommt. Ohne diesen Ausgangswert lässt sich später nicht beurteilen, was die Werbeebene verändert hat.
  • Rechnen Sie damit, dass ein Teil Ihrer Reichweite künftig buchbar ist. Planen Sie ein Budget dafür ein, sobald die Selbstbuchung Europa erreicht, ohne die organische Auffindbarkeit zu vernachlässigen.
  • Klären Sie intern, welche Tarife im Betrieb genutzt werden. Wer über Free oder Go arbeitet, sieht ab Ende August Werbung im Arbeitswerkzeug; die Bezahltarife bleiben davon frei.
  • Denken Sie an die betriebliche Nutzung ohne Freigabe. Mitarbeitende, die private Konten für dienstliche Fragen verwenden, arbeiten künftig in einer werbefinanzierten Umgebung.
  • Behalten Sie die zweite Stufe im Blick. Die Personalisierung setzt eine Einwilligung voraus, und wie diese Abfrage gestaltet wird, entscheidet darüber, wie viele Daten am Ende in die Ausspielung einfließen.
Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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