EU: Google muss Android für fremde KI-Assistenten öffnen
Die EU zwingt Google per Digital Markets Act, Android für Konkurrenz-KI zu öffnen und Suchdaten zu teilen - sonst drohen bis zu 10 Prozent Strafe.
Die EU-Kommission hat Google zu weitreichenden Änderungen an Android verpflichtet. Am 16. Juli 2026 veröffentlichte die Behörde zwei verbindliche Entscheidungen nach dem Digital Markets Act (DMA). Sie zwingen den Konzern, sein Betriebssystem und Daten aus der Google-Suche für konkurrierende KI-Anbieter zu öffnen.
Was Google öffnen muss
Im Kern geht es um zwei Bereiche. Zum einen muss Google elf zentrale Funktionsgruppen innerhalb des Android-Ökosystems kostenlos für konkurrierende KI-Assistenten freigeben. Diese sollen damit tiefer ins Betriebssystem integriert werden können und nicht länger auf Googles eigenen Assistenten Gemini beschränkt bleiben.
Zum anderen muss Google anonymisierte Daten aus seiner Suche mit Wettbewerbern teilen, etwa zu Rankings, Suchanfragen und Klicks. Der Zeitplan ist gestaffelt: Mit der Weitergabe der Suchdaten soll Google bis Januar 2027 beginnen. Die elf Android-Funktionen sollen zum 1. August 2027 geöffnet werden, ein Termin, der mit dem erwarteten Start von Android 18 zusammenfällt.
Strafen und Hintergrund
Der Digital Markets Act richtet sich an sogenannte Gatekeeper, also besonders marktmächtige Plattformen. Google zählt dazu. Hält sich der Konzern nicht an die Auflagen, kann die EU-Kommission Geldbußen von bis zu zehn Prozent des weltweiten Jahresumsatzes verhängen, bei wiederholten Verstößen bis zu 20 Prozent.
Hintergrund der Entscheidung ist die wachsende Bedeutung von KI-Assistenten, die auf Milliarden von Geräten laufen und zunehmend zum Einstiegspunkt für Suchen und Aufgaben werden. Die Kommission will verhindern, dass sich die Marktmacht aus der klassischen Suche direkt auf die nächste Gerätegeneration überträgt.
Was das für Unternehmen bedeutet
Für Unternehmen ist die Entscheidung vor allem mittelfristig relevant. Drei Punkte sind absehbar:
- Mehr Wettbewerb bei KI-Assistenten: Alternative Anbieter könnten ihre Assistenten künftig tiefer in Android einbinden. Für Nutzer entsteht mehr Auswahl, für Unternehmen mehr Spielraum bei der Wahl der Werkzeuge.
- Bewegung im Suchmarkt: Der Zugang zu anonymisierten Suchdaten senkt eine hohe Hürde für konkurrierende Such- und KI-Anbieter. Ob daraus ernsthafte Alternativen entstehen, wird sich zeigen.
- Verschiebung bei der Sichtbarkeit: Je mehr KI-Assistenten auf Suchdaten zugreifen und Fragen direkt beantworten, desto stärker verlagert sich Sichtbarkeit von klassischen Klicks hin zu Erwähnungen in KI-Antworten. Für Websites gewinnt es an Bedeutung, in diesen Antworten als Quelle vorzukommen.
Vieles hängt an der konkreten Umsetzung. Die maßgeblichen Fristen liegen erst 2027, und Google kann rechtliche Schritte gegen die Entscheidungen prüfen. Klar ist aber die Richtung: Die EU greift tief in die Verzahnung von Betriebssystem, Suche und KI ein.