KI-Agenten hacken über 100 Firmen-Websites für 50 Dollar je Treffer
Ein Angreifer hat laut Reuters mit einer offenen Agentenplattform mehr als 1.200 Websites angegriffen und über 100 davon geknackt, darunter Seiten von Deere und Cummins. Die Tokenkosten lagen bei rund 50 Dollar pro Einbruch. Warum das gerade für vergessene Neben- und Dienstleister-Websites gefährlich ist.
Bisher galt: Wer eine Firmen-Website hacken will, braucht Zeit, Wissen und Geduld. Ein Fall, den Reuters am 19. Oktober exklusiv öffentlich gemacht hat, zeigt, wie schnell sich das verschiebt. Ein chinesischsprachiger Angreifer hat KI-Agenten fast die gesamte Arbeit machen lassen und ist so in mehr als 100 Unternehmens-Websites eingedrungen. Die Kosten pro Einbruch lagen nach Schätzung eines Forschers bei rund 50 Dollar.
Was passiert ist
Aufgedeckt hat die Kampagne Snorre Fagerland, Principal Threat Researcher beim Sicherheitsunternehmen NorForge. Der Angreifer nutzte Cairn, eine Open-Source-Plattform, bei der mehrere KI-Agenten gemeinsam Probleme lösen. Laut Reuters begann er am 25. September. Bis Ende der vergangenen Woche versuchten seine Agenten, in mehr als 1.200 Websites einzudringen, bei über 100 Firmen gelang es.
Ziel waren vor allem E-Commerce-Seiten in den USA, Kanada, Australien und Japan. Reuters hat anhand der Cairn-Daten selbst Opfer identifiziert, darunter Deere, SharkNinja und Cummins. Deere erklärte, man habe die nötigen Maßnahmen ergriffen und „no indication that sensitive information was accessed“. SharkNinja spricht von einer eigenständigen Website mit reinen Support-Informationen, Cummins von einer Website, die ein Drittanbieter betreibt. Wie viele Daten insgesamt abgeflossen sind, konnte Reuters nicht feststellen.
23 Stunden, 50 Dollar, weniger als 100 Schriftzeichen
Die Zahlen sind das eigentlich Beunruhigende. Ein erfolgreicher Einbruch dauerte im Schnitt etwa 23 Stunden. Fagerland schätzt die Tokenkosten der gesamten Kampagne auf rund 5.000 Dollar, also etwa 50 Dollar pro geknackter Seite. Als Modelle kam laut Fagerland eine Mischung aus DeepSeek und Claude Code zum Einsatz. Die Anweisungen an die Agenten waren knapp: weniger als 100 chinesische Schriftzeichen.
Dass es dabei nicht um simple Standardangriffe ging, zeigt ein Beispiel aus dem Bericht. Als die Agenten über die öffentliche Anwendung nicht weiterkamen, suchten sie zugehörige Infrastruktur, fanden ein Kontrollpanel und nutzten dort eine Schwäche aus, um Befehle auszuführen. Fagerland, seit fast drei Jahrzehnten in der Branche, sagt dazu:
„It's not script kiddie stuff.“
Er habe bisher angenommen, Hacker-Agenten bräuchten zumindest etwas menschliche Aufsicht. Das sei überholt: „It's a new world now.“ Der Autor von Cairn betont auf X, seine Plattform sei nicht für Angriffe gebaut worden.

Kein Einzelfall
Reuters ordnet den Fall in eine Reihe ein: Gambit Security fand im August Erpresser, die mit Cursor sieben Organisationen kompromittiert hatten, und dokumentierte im September einen Agenten-Angriff auf 25 Unternehmen mit mindestens 600.000 gestohlenen Kreditkartendatensätzen. Wir haben ähnliche Muster beim KI-Agenten-Angriff auf südkoreanische Banken und bei der herrenlosen Agentenflotte mit fremden API-Schlüsseln gesehen. Auf der Verteidigerseite zeigt Bank of America, wie viele Lücken KI inzwischen findet.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Kleine Ziele lohnen sich jetzt: Wenn ein Einbruch 50 Dollar kostet, ist auch der Shop eines Mittelständlers oder eine alte Kampagnenseite ein lohnendes Ziel. „Uns greift doch keiner an“ gilt nicht mehr.
- Website-Inventar anlegen: Listen Sie alle Domains und Subdomains auf, auch Support-, Aktions- und Microsites. Gerade die vergessenen Seiten waren hier betroffen.
- Dienstleister einbeziehen: Fragen Sie Agenturen und Hoster, wer Seiten in Ihrem Namen betreibt, wie dort gepatcht wird und wer bei einem Vorfall informiert.
- Admin-Oberflächen verstecken: Kontrollpanels, Datenbank-Tools und Backends gehören nicht offen ins Internet, sondern hinter VPN, IP-Freigabe oder zusätzliche Anmeldung.
- Updates schneller einspielen: Agenten arbeiten rund um die Uhr. Ein Patch, der zwei Wochen liegen bleibt, ist ein offenes Fenster.
Fazit
Der Fall zeigt, dass KI-Agenten Angriffe nicht nur schneller, sondern vor allem billiger machen. Damit verschiebt sich das Risiko von großen, gut geschützten Hauptseiten auf die vielen kleinen Websites, um die sich niemand mehr kümmert. Wenn Sie wissen möchten, welche Ihrer Seiten noch offen im Netz stehen und wie gut sie gepflegt sind, sprechen Sie mich gern an.