Xiaomis MiMo-V2.6-Pro führt die offenen Modelle an
Xiaomis MiMo-V2.6-Pro erreicht 46 Punkte im Intelligence Index und steht unter MIT-Lizenz. Anthropic wirft dem Konzern Destillation von Claude vor.
Xiaomi hat am 22. September 2026 das Sprachmodell MiMo-V2.6-Pro auf Hugging Face veröffentlicht. Im Intelligence Index v4.3 von Artificial Analysis erreicht es 46,32 Punkte und liegt damit gleichauf mit Grok 4.7 und deutlich vor DeepSeek V4.1. Unter den frei herunterladbaren Modellen ist es damit derzeit das stärkste. Begleitet wird die Veröffentlichung von einem Vorwurf: Anthropic führt Xiaomi in seinem aktuellen Bericht zur Bedrohungslage als eines von sieben chinesischen Laboren auf, die Claude in großem Stil zur Erzeugung von Trainingsdaten genutzt haben sollen.
Die Zahlen zum Modell
MiMo-V2.6-Pro ist ein Mixture-of-Experts-Modell mit 1,02 Billionen Parametern, von denen pro Anfrage rund 42 Milliarden aktiv sind. Das Kontextfenster umfasst eine Million Token. Gegenüber dem Vorgänger ist der Wert im Intelligence Index von 26 auf 46 Punkte gestiegen.
Xiaomi führt den Sprung auf eine stark ausgeweitete Phase des bestärkenden Lernens zurück: mehr Daten je Trainingsschritt, vielfältigere Aufgabenumgebungen und mehr Rechenleistung für die Bewertung der Lösungen. Diese Phase dauerte nach Unternehmensangaben weniger als sechs Tage und kostete rund 2,62 Millionen US-Dollar für die Pro-Variante, 0,85 Millionen für die kleinere Flash-Variante. Neben den Gewichten hat Xiaomi auch das Trainingsframework, die RL-Werkzeuge und rund 7.000 Trainingsaufgaben offengelegt. Eine Variante namens Pro-UltraSpeed soll die Ausgabe um ein Vielfaches beschleunigen.
Über die API kostet das Modell 0,435 US-Dollar je Million Eingabe-Token und 0,87 US-Dollar je Million Ausgabe-Token. Artificial Analysis beziffert die Kosten für den kompletten Testdurchlauf des Index auf etwa 0,13 US-Dollar je Aufgabe.
Die Lizenz ist der eigentliche Unterschied
Technisch interessanter als die Benchmark-Position ist für Unternehmen die Lizenz. MiMo-V2.6-Pro steht unter MIT-Lizenz. Das erlaubt kommerzielle Nutzung, Veränderung und Weitergabe ohne Nutzungsbeschränkung und ohne Schwellenwerte, wie sie andere Anbieter offener Gewichte in ihre eigenen Lizenztexte schreiben. Alibaba etwa hatte zuletzt bei Qwen-Image-2.1 Einschränkungen vorgesehen.
Damit steht erstmals ein Modell an der Spitze des offenen Feldes, das sich ohne rechtliche Nebenbedingungen im eigenen Rechenzentrum betreiben lässt. Für Unternehmen mit strengen Anforderungen an Datenhaltung oder mit Sorge vor Lieferantenbindung ist das eine andere Ausgangslage als ein API-Abonnement. Der Preis dafür ist der Betrieb selbst: Ein Modell dieser Größe braucht entsprechende Hardware, auch wenn nur ein Bruchteil der Parameter je Anfrage aktiv ist.
Der Vorwurf aus Anthropics Bedrohungsbericht
Parallel zur Veröffentlichung hat Anthropic seinen Bericht zum Missbrauch von Claude vorgelegt. Darin wirft das Unternehmen sieben in China ansässigen Laboren vor, Claude in insgesamt knapp 200 Millionen Abfragen zur Destillation genutzt zu haben, also zur Erzeugung von Trainingsdaten für konkurrierende Modelle.
Der Fall mit der Kennung GTG-16008 betrifft Xiaomi. Anthropic zählt dort in März und April 2026 über 400.000 Austausche innerhalb von 20 Tagen. Nutzeranfragen und Programmiersitzungen aus Xiaomis eigenen MiMo-Modellen sollen über die Werkzeuge OpenClaw und OpenCode an Claude weitergeleitet worden sein.
Anthropic fand keine Hinweise darauf, dass die Antworten von Claude direkt an Xiaomis Nutzer ausgeliefert wurden.
Datenschutzrechtlich relevant ist ein weiterer Punkt des Berichts: Die weitergeleiteten Anfragen enthielten laut Anthropic personenbezogene Daten von mehreren hundert Personen in mindestens einem Dutzend Sprachen, darunter Namen, Kontaktdaten und Firmenangaben. Xiaomi hat sich zu den Vorwürfen bislang nicht geäußert. Ob und in welchem Umfang die Fähigkeiten von MiMo-V2.6-Pro auf solchen Daten beruhen, ist von außen nicht nachprüfbar.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
- Ein Spitzenmodell unter MIT-Lizenz verändert die Kostenrechnung für den Eigenbetrieb. Wer bisher aus Lizenzgründen auf eine API angewiesen war, sollte die Variante Eigenhosting neu durchrechnen.
- Die Herkunft der Trainingsdaten ist ungeklärt. Bei Einsatz in regulierten Bereichen gehört dieser offene Punkt in die Dokumentation und in die Risikobewertung.
- Der Fall zeigt, dass eigene Modellanbieter Anfragen an Dritte weiterreichen können. Wer Modelle über Zwischenhändler oder Agenten-Werkzeuge nutzt, sollte vertraglich klären, wohin Eingaben tatsächlich fließen.
- Benchmark-Werte und Betriebskosten sind zwei getrennte Fragen. Die genannten 0,13 US-Dollar je Aufgabe beziehen sich auf den API-Bezug, nicht auf den Betrieb im eigenen Haus.