VulnCheck-Report: KI findet 1.061 Lücken, ausgenutzt werden 14
Der Halbjahresreport von VulnCheck zeigt: KI-gefundene Schwachstellen werden nicht häufiger angegriffen. Aber die Zeit bis zum Exploit sinkt.
Der Sicherheitsdienstleister VulnCheck hat am 28. Juli 2026 seinen Halbjahresreport zur Ausnutzung von Schwachstellen veröffentlicht. Er liefert die erste größere Datenauswertung zu einer Frage, die seit einem Jahr die Runde macht: Führt der Einsatz von KI bei der Schwachstellensuche zu mehr Angriffen? Nach den Zahlen des Reports lautet die Antwort nein. Etwas anderes hat sich dafür deutlich verschoben.
1.061 KI-Funde, 14 bestätigte Angriffe
VulnCheck ordnet 1.061 im ersten Halbjahr 2026 veröffentlichte Schwachstellen einer KI-gestützten Entdeckung zu. Bei 14 davon ist eine tatsächliche Ausnutzung belegt, das sind 1,3 Prozent. Diese Quote entspricht praktisch dem Durchschnitt über alle Schwachstellen im selben Zeitraum.
Of 1,061 vulnerabilities attributed to AI-assisted discovery, only 14, or 1.3%, have been confirmed as exploited in the wild.
Besonders deutlich wird das Verhältnis am Beispiel von Anthropics Project Glasswing, einem öffentlichen Verzeichnis der von Claude gefundenen Schwachstellen. Dort stehen 23.019 Funde. Daraus wurden 126 veröffentlichte CVE-Einträge, und bei genau einem davon ist ein Angriff bestätigt.
Der Report zieht daraus eine zurückhaltende Schlussfolgerung: Die Daten deuten nicht darauf hin, dass KI-gefundene Schwachstellen von sich aus eher ausgenutzt werden als solche aus klassischer Suche. Die Menge der Meldungen wächst, das Risiko pro Meldung bleibt unverändert.
Was sich wirklich geändert hat: der Zeitraum
Die zweite Zahlenreihe des Reports fällt anders aus. Die mittlere Zeitspanne zwischen der Veröffentlichung eines CVE-Eintrags und dem ersten belegten Angriff sank von 120 Tagen im Jahr 2025 auf 80 Tage im ersten Halbjahr 2026. Rund 200 CVEs wurden innerhalb von 31 Tagen nach Veröffentlichung angegriffen.

Ein oft zitierter Wert relativiert sich dabei allerdings. Bei 23,43 Prozent der 495 neu erfassten ausgenutzten Schwachstellen gab es Hinweise auf einen Angriff am Tag der Veröffentlichung oder davor. Das klingt nach knapp jeder vierten, ist gegenüber 2025 aber ein Rückgang: Damals lag der Wert bei 28,93 Prozent. Der Median rückt also nach vorn, während der Anteil der Angriffe vor dem Bekanntwerden zurückgeht. Praktisch bedeutet das: Der kritische Zeitraum liegt seltener vor dem Patch und häufiger in den ersten Wochen danach.
Redaktionssysteme sind das häufigste Ziel
Für die meisten Unternehmen ist eine dritte Zahl die relevanteste. Redaktionssysteme für Websites, also WordPress, TYPO3, Joomla und vergleichbare Plattformen samt Erweiterungen, waren erneut die am häufigsten angegriffene Technologiekategorie. Auf sie entfällt ein Drittel aller im Halbjahr erfassten ausgenutzten Schwachstellen, laut VulnCheck der höchste Anteil in der Geschichte des Reports.
Content management systems remained the most targeted technology category, accounting for one-third of all KEVs.
Dahinter folgen Sicherheitswerkzeuge, Entwicklerwerkzeuge, Geräteverwaltung und Desktop-Anwendungen. Neu in der Auswertung tauchen KI-Produkte selbst als Angriffsfläche auf.
Einordnend nennt der Report noch eine Verhältniszahl: Von allen veröffentlichten Schwachstellen landeten im ersten Halbjahr 1,4 Prozent im Katalog der belegt ausgenutzten. Im zweiten Halbjahr 2023 waren es 2,7 Prozent. Der Anteil sinkt, weil die Gesamtmenge der Meldungen schneller wächst als die Zahl der Angriffe.
Was das für Ihr Unternehmen heißt
Die Zahlen sprechen gegen Aktionismus, aber für eine geänderte Reihenfolge im Tagesgeschäft:
- Nicht mehr patchen, sondern schneller. Wenn der Median bei 80 Tagen liegt und rund 200 Schwachstellen binnen eines Monats angegriffen werden, entscheidet die Reaktionszeit nach der Veröffentlichung, nicht die Zahl der bearbeiteten Meldungen.
- Nach belegter Ausnutzung priorisieren, nicht nach Schweregrad. Kataloge ausgenutzter Schwachstellen wie die KEV-Liste der CISA oder die von VulnCheck sind eine kurze Liste. Sie gehört vor jede lange Liste hoher CVSS-Werte.
- Die eigene Website ist die wahrscheinlichste Eintrittsstelle. Ein Drittel aller Angriffe traf Redaktionssysteme. Wer eine WordPress-Installation mit gewachsenem Plugin-Bestand betreibt, sollte wissen, wer sie wann aktualisiert und welche Erweiterungen ohne Pflege mitlaufen.
- Die Flut an KI-Meldungen nicht mit Risiko verwechseln. Über 23.000 Funde aus einem einzigen Projekt und ein bestätigter Angriff zeigen, dass Menge hier kein Maßstab ist. Wer jede Meldung gleich behandelt, bindet Kapazität, die anderswo fehlt.
- Zeitfenster statt Turnus festlegen. Ein fester Wartungstermin im Quartal passt nicht mehr zu einem Median von 80 Tagen. Sinnvoller ist eine vereinbarte Frist, innerhalb derer ein bekannt ausgenutzter Fehler geschlossen sein muss.
Wenn Sie wissen möchten, wie aktuell die Systeme hinter Ihrer Website tatsächlich sind und wie lange ein Update bei Ihnen dauert, sprechen Sie mich gern an.