OpenAI schaltet GPT-4o und GPT-4.1 im Januar ab

Am 14. Januar 2027 entfernt OpenAI fünf Modellversionen von GPT-4o und GPT-4.1 aus der API, feinabgestimmte Varianten eingeschlossen. Als Ersatz empfiehlt OpenAI GPT-6 Luna. Wer betroffen ist, was der Wechsel kostet und warum Azure-Kunden mehr Zeit haben.

Kalender mit roten Stecknadeln, ein Datum ist rot eingekreist

Viele Chatbots, Textassistenten und Automationen in Unternehmen laufen bis heute auf GPT-4o oder GPT-4.1. Für sie gibt es jetzt ein festes Enddatum. Am 14. Oktober 2026 hat OpenAI die Entwickler informiert: Am 14. Januar 2027 werden die wichtigsten Versionen dieser Modelle aus der API entfernt. Das sind gerade einmal drei Monate, inklusive Weihnachtspause.

Welche Modelle betroffen sind

Laut der Deprecation-Seite von OpenAI geht es um fünf datierte Modellversionen:

  • GPT-4o: gpt-4o-2024-08-06 und gpt-4o-2024-11-20
  • GPT-4o mini: gpt-4o-mini-2024-07-18
  • GPT-4.1: gpt-4.1-2025-04-14
  • GPT-4.1 mini: gpt-4.1-mini-2025-04-14

Als Ersatz nennt OpenAI für alle fünf dasselbe Modell: GPT-6 Luna. Ob auch die Kurznamen ohne Datum wie gpt-4o oder gpt-4.1 am selben Tag verschwinden, steht nicht ausdrücklich in der Ankündigung. Wer seine Anwendung über einen solchen Kurznamen anspricht, sollte also nicht darauf bauen, dass er weiter funktioniert. Von ChatGPT ist in der Mitteilung keine Rede, sie betrifft die API.

Wichtig für alle, die eigene Varianten trainiert haben:

Fine-tuned versions of these models follow the same shutdown schedule as their underlying base models.

Feinabgestimmte Modelle auf Basis von GPT-4o oder GPT-4.1 enden also ebenfalls am 14. Januar. Das ist der aufwendigste Teil der Umstellung, denn Trainingsdaten und Bewertung müssen für das neue Modell neu aufgesetzt werden.

Schon nächste Woche ist die ältere Generation dran

Die Ankündigung ist nicht die einzige Frist. Bereits am 23. Oktober 2026 schaltet OpenAI eine Reihe älterer Modelle ab, angekündigt schon im April. Darunter sind gpt-4o-2024-05-13, gpt-4.1-nano, gpt-3.5-turbo, gpt-4-turbo, o1, o3-mini, o4-mini und das Bildmodell gpt-image-1. Wer davon noch etwas im Einsatz hat, hat nur noch wenige Tage.

Programmcode auf einem Bildschirm

Der Ersatz ist deutlich billiger

Die gute Nachricht steht in der Preisliste. GPT-6 Luna kostet laut OpenAI 0,10 Dollar je Million Eingabe-Token und 0,50 Dollar je Million Ausgabe-Token. Zum Vergleich die Listenpreise der abgelösten Modelle:

  • GPT-4o: 2,50 Dollar Eingabe, 10 Dollar Ausgabe
  • GPT-4.1: 2 Dollar Eingabe, 8 Dollar Ausgabe
  • GPT-4.1 mini: 0,40 Dollar Eingabe, 1,60 Dollar Ausgabe
  • GPT-4o mini: 0,15 Dollar Eingabe, 0,60 Dollar Ausgabe

Wer heute GPT-4o nutzt, zahlt pro Token also ein Vielfaches. Ein günstigerer Listenpreis heißt aber nicht automatisch eine günstigere Rechnung: Neuere Modelle verbrauchen für dieselbe Aufgabe teils mehr Token, etwa durch längere Antworten oder Denkschritte. Wie stark das ins Gewicht fallen kann, haben wir am Beispiel verfehlter KI-Budgets beschrieben. Entscheidend ist, was ein erledigter Vorgang kostet.

Azure-Kunden haben drei Monate länger

Wer die Modelle nicht direkt bei OpenAI, sondern über Microsoft Azure bezieht, hat mehr Luft. Laut Microsofts Abschaltplan für Azure OpenAI laufen GPT-4o (Versionen vom August und November 2024), GPT-4o mini, GPT-4.1 und GPT-4.1 mini dort erst am 14. April 2027 aus. Bereits bereitgestellte feinabgestimmte Modelle laufen auf Azure laut Plan bis 1. Oktober 2027 (GPT-4o-Familie) beziehungsweise 14. Oktober 2027 (GPT-4.1-Familie), allerdings nur für Bestandskunden. Die Azure-Seite stammt vom September, also aus der Zeit vor OpenAIs Ankündigung. Den aktuellen Stand sollten Sie vor einer Planung prüfen.

Was das für Ihr Unternehmen heißt

  • Bestand aufnehmen: Suchen Sie in Code, Konfiguration und Automationswerkzeugen nach Modellnamen wie gpt-4o, gpt-4.1 und o4-mini. Auch eingekaufte Tools und Plugins können diese Modelle im Hintergrund nutzen, fragen Sie bei den Anbietern nach.
  • Mit echten Fällen testen: Ein neues Modell antwortet anders. Legen Sie eine Sammlung typischer Eingaben mit erwarteten Ergebnissen an und vergleichen Sie Luna daran, bevor Sie umstellen. Das gilt besonders für Prompts, die auf ein bestimmtes Antwortformat angewiesen sind.
  • Fine-Tunes früh angehen: Wer eigene Modellvarianten betreibt, sollte jetzt prüfen, ob Luna mit gutem Prompt schon reicht oder ob neu trainiert werden muss. Das braucht die meiste Zeit.
  • Kosten neu rechnen: Die Umstellung ist eine Chance, die Rechnung deutlich zu senken. Messen Sie die Kosten je Vorgang vor und nach dem Wechsel. Wie man einen Modellwechsel sauber vorbereitet, zeigt auch unser Beitrag zu Claude Haiku 5.5.
  • Austauschbar bauen: Die abgelösten Modelle waren teils keine zwei Jahre auf dem Markt. Wer den Modellnamen an einer Stelle konfiguriert und Tests bereithält, macht aus der nächsten Abschaltung eine Routineaufgabe.

Fazit

Drei Monate Vorlauf sind für eine Produktivanwendung knapp, zumal über den Jahreswechsel. Die Umstellung auf GPT-6 Luna dürfte sich in vielen Fällen auch finanziell lohnen, sie sollte aber getestet und nicht auf den letzten Tag verschoben werden. Wenn Sie Unterstützung bei Bestandsaufnahme, Tests oder Umstellung Ihrer KI-Anwendungen brauchen, sprechen Sie mich gern an.

Richard von Rüden
Über den Autor Richard von Rüden Senior Entwickler & AI Engineer

Seit über 15 Jahren entwickle ich Websites und Apps und beschäftige mich intensiv mit KI-Automatisierung sowie Datenschutz. In meinen Artikeln teile ich aktuelle News, fundiertes Fachwissen und Erfahrungen aus zahlreichen Projekten.

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